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Chinesisches Porzellan in der Dresdner Porzellansammlung
im Zwinger, Glockenspielpavillon

Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ausstellungsbesuch im April 2007, T.Sp.

1. Einleitung - Die Porzellansammlung im Zwinger Dresden:

Die Sammlung asiatischen Porzellans in Dresden geht auf August den Starken (12.5.1670 -1.2.1733; König von Polen und Großherzog von Litauen) zurück, der mit überaus großer Leidenschaft Porzellane aus China und Japan sammelte. Er konnte dabei auf unterschiedliche Quellen zurückgreifen: Zum einen ließ er durch Agenten auf Versteigerungen in Holland einkaufen, welche von der Vereinigten Ostindischen Compagnie (V.O.C.) der holländischen Seemacht durchgeführt wurden. Diese regulierte seit Beginn des 17.Jhds. den Seehandel mit China und brachte insbesondere nach der Zerstörung Jingdezhens, des wichtigsten Produktionsortes für Porzellan in China, welcher Mitte des 17.Jhds aufgrund der Umwürfe zwischen Ming- und Qing-Dynastie brachlag, Porzellanwaren aus Japan auf den europäischen Markt. Aber auch durch Käufe auf der Leipziger Messe bzw. durch Schenkungen von Angehörigen des Hofes konnte August der Starke seine Sammlung beträchtlich erweitern.

Die Liebe zum Porzellan erzeugte den Wunsch, das Geheimnis der Herstellung dieses "weißen Goldes" zu entschlüsseln. In Dresden gelang dies nach erbitterten Versuchen schließlich Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, woraufhin unter August dem Starken 1710 die erste eigene Porzellanmanufaktur zu Meißen gegründet wurde, die bekanntlich bis zum heutigen Tage hochwertiges Porzellan produziert.

Nach diesen Erfolgen wurde die Königliche Porzellansammlung zu Dresden im Jahre 1715 gegründet. August der Starke ließ das 1717 erworbene "Holländische Palais" zu einem Porzellanschloss umgestalten, in dem ostasiatisches (damals "ostindisches") zusammen mit Meißener Porzellan präsentiert werden sollte. Seit 1722 wurde dieses Schloss "Japanisches Palais" genannt und verfügte bereits über prachtvolle Räume, die im "indianischen Stil" mit ostasiatischen Lackarbeiten und wertvollen Seidentapeten ausgestattet waren. Eine Besonderheit der Dresdner Sammlung sind die erhaltenen Inventare aus dem 18.Jh. Im Frühesten aus dem Jahre 1721 werden bereits 22 000 Objekte aufgelistet, von denen heute noch ca. 12 000 erhalten sind. Auf vielen Ausstellungsobjekten ist die eingeritzte oder aufgemalte Inventarnummer noch zu sehen, und darüber hinaus werden in der Inventarliste oftmals hinweise auf den Verwendungszweck bestimmter Objekte angegeben. So wurde ein Pinselbecher der Ära Kangxi (1662-1722) unter August dem Starken etwa zum Eisbehälter umfunktioniert, währen die großen blauweißen Fischbecken mehrheitlich als Übertöpfe für die königlichen Orangenbäume dienten. August der Starke starb 1733 vor Vollendung des Japanischen Palais und mit seinem Ableben ging auch ein bedeutendes Stück Sammlungsgeschichte von ostasiatischen Porzellanen in Deutschland zu Ende.

Seit 1962 sind die kostbaren Ausstellungsstücke aus China, Japan und Meißen im Zwinger in Dresden zu sehen. Zuvor war der Großteil der Sammlung im Jahre 1952 aus der Sowjetunion zurückgekehrt, nachdem er durch die Rote Armee Ende des Zweiten Weltkriegs als Beutekunst abtransportiert worden war. Die heutige Präsentation umfasst chinesisches Porzellan der Ära Kangxi (1662-1722), ein Gebiet, auf dem die Sammlung August des Starken weltweit zu den Bedeutendsten zählt, japanische Imari- und Kakiemon-Porzellane des 17. und frühen 18. Jahrhunderts sowie Frühes und Zeitgenössisches der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Meißen. Anfang des 20.Jhds wurden zahlreiche Ankäufe durch die Sammlung erworben, zu denen auch zumindest ein bemerkenswertes Stück aus dem chinesischen Kaiserpalast zählt. Diese Ankäufe sollten die Entstehungsgeschichte des chinesischen Porzellans besser repräsentieren, als die bisherige Sammlung. Denn die ursprüngliche Sammlung August des Starken umfasste zwar einzigartige chinesische Porzellane, die nicht nur für den Export, sondern auch für den einheimischen Markt produziert worden waren. Jedoch fehlten klassische Sammelgebiete im Bereich Keramik, wie etwa monochrome, kraquelierte Ware von Typ guan oder ge, darüber hinaus jun-Ware mit fluoriszierender Oberfläche oder die in China hoch geschätzten mehrfach glasierten Seladone aus Longquan, um einige zu nennen. Derartige Waren sind auch heute nur in Ansätzen vertreten.

Die derzeit ca. 2000 ausgestellten Stücke sollen nun auch nicht die Geschichte der chinesischen Keramik verdeutlichen, sondern sie zeigen prachtvolle Stücke, darunter viele Porzellan-Highlights, welche die große Leidenschaft des Sammlers August der Starke verdeutlichen. Aufgrund der Tatsache, dass die Porzellane in der Ausstellung vielfach gar nicht beschriftet sind, um den Gesamteindruck der prunkvollen barocken Symmetrie nicht in Details zu zerschlagen, könnte man meinen, dass ein Schwerpunkt der Ausstellung sicherlich die eigene Sammlungsgeschichte selbst ist. Eingebettet in ein überwältigendes Ambiente wird dem Betrachter im Zwinger wie selbstverständlich ein Gefühl davon vermittelt, auf welche Weise die ostasiatischen Porzellane zu Zeiten August des Starken aufgefasst worden sein müssen und wie sie ihre Wirkung entfalten lassen konnten. Seit ihrer Neueröffnung im Oktober 2006 präsentiert sich die Neue Ostasien-Galerie in den neu restaurierten und speziell eingerichteten Räumen der ehemaligen Orangerie der sächsischen Kurfürsten. Bei dieser Neugestaltung wurde ein Interieur-Entwurf des Architekten
Zacharias Longuelune von 1735 für das Japanische Palais nachempfunden und mit chinesischem Blauweiß-Porzellan ausgestattet. Diese historische Vorlage wurde durch den New Yorker Architekten Peter Marino neu interpretiert, der die Ausstellungsräume mit barockem Glanz ausstattete. Die Blauweiß-Porzellane werden vor mit kostbarer Seide bespannten Wandfeldern, auf vergoldeten Konsolen, Kaminsimsen und prachtvollen Tischen präsentiert. In sämtlichen Wandfeldern nicht nur in der neuen Galerie, sondern auch in den älteren Räumen der Porzellansammlung bestechen die Arrangements der Porzellane in barocker Symmetrie: Zu jedem Teller gibt es ein Gegenstück, zu jedem Arrangement von Vasen findet sich ein symmetrisches Gegengewicht. Darin liegt gewiss eine Spur des Geistes des Barock, ganz konträr etwa zu einer chinesischen Gewohnheit, nach der die meisten Stücke verpackt werden und dem Besucher nur bei Bedarf und Gelegenheit zur Ansicht gegeben werden. Aber auch wenn man an gewöhnliche Museumsvitrinen denkt, in denen die Objekte dezent und feinfühlig ausgeleuchtet werden, um in einer neutralen Umgebung bestmöglich zur Geltung kommen zu können, so unterscheidet sich das Ausstellungsdesign im Zwinger doch erheblich. Die Ausstellungsräume sind, von den Räumen für das frühe Meißen-Porzellan abgesehen, mit hohen Fensterfronten versehen, durch welche helles Tageslicht eindringen kann. Die Porzellane werden zusätzlich nur mehr durch Strahler von der Decke her beleuchtet. Abgesehen von den überwältigenden Highlights in den Vitrinen und den ohnehin gut sichtbaren Objekten in Augenhöhe ist die Ausstellungsgestaltung im Zwinger darauf bedacht, den Prunk und die Fülle der Sammlung August des Starken zu zeigen, worunter die Schönheit und Besonderheit von einzelnen Objekten, bzw. der Genuss derselben, an manchen Stellen zu leiden hat. Die tut jedoch dem unschätzbaren Wert der Ausstellung und der Einzigartigkeit und kunsthistorischen Bedeutung ihrer Exponate keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, wie wir in Absatz 2 sehen werden, gehören ganz außergewöhnliche chinesische Porzellanerzeugnisse zu den Exponaten, zum Beispiel etwa Auftragesporzellane, deren Dekore kunsthistorisch ganz einzigartige Symbiosen von chinesischen mit europäischen Motiven eingehen.

2. Beschreibung der Ausstellungsstücke

2.1. Kraak-Porzellane aus der ersten Hälfte des 17.Jhdts

Das Wort Kraak stammt aus dem Holländischen und geht auf den portugiesischen Schiffstypus caracca zurück, mit welchem die Portugiesen Ende des 16.Jhds Handel mit "Ostindien" (heute Südostasien) betrieben. Die holländische Vereinigte Ostindische Compagnie (V.O.C.) verschiffte ab 1602 chinesisches Porzellan, welches in südchinesischen Häfen geladen wurde. Zu den beliebtesten Formen des im damaligen Europa begehrten Porzellans gehörten Schalen, Becher, Schüsseln und Flaschen und nicht zuletzt Teller. Später erst wurden ganze Service mit einheitlichen Dekormotiven im Auftrag der Europäer in China gefertigt. In Abb. 1 sehen wir einen Wandbogen mit blauweißen Kraak-Porzellanen der ersten Hälfte des 17.Jhds in symetrischer Anordnung, wie es für das Dresdner Ausstellungsdesign typisch ist. Bei den frühen von den Holländern gehandelten Porzellanen in der ersten Hälfte des 17.Jhds waren die häufigsten Dekormotive malerische Darstellungen in Kobaltblau von Blumen, Uferlandschaften mit Vögeln, Insekten und Figuren (siehe Abb. 2,3 und 4). Die Ränder wurden mit Blumen und glückverheißenden Symbolen versehen. Die chinesischen Porzellanmanufakturen in Jingdezhen produzierten diese Handelswaren gezielt für den Export. Figurale Motive wie der Gelehrte mit Diener im Spiegel des Tellers in Abb. 5 haben daher in der Regel einen rein dekorativen Charakter und beinhalten kaum klassische literarische Motive.

2.2. Deckeltopf, Ming-Dynastie (1386-1644), Ära Chongzheng (1627-1644)

Die hochwertige Blauweiß-Bemalung dieses großen Deckeltopfes (Abb. 6) aus der vermutlich späten Ming-Dynastie (1386-1644) kombiniert im Dekor europäische und chinesische Motive. Seit dem Jahr 1635 wurden in China Porzellane mit Dekoren nach holländischen Vorbildern hergestellt. In Holland war seinerzeit die Tulpe ein überaus beliebtes Motiv, und so wurden auch auf chinesischen Exportporzellanen Tulpen gemalt. Bei diesem Topf kontrastieren die "chinesischen" Partien des Dekors in einem freien, malerisch lockeren Stil mit ornamental stilisierten Blütenzweigen und Tulpen. Die großflächigen Reserven auf dem Korpus, in denen malerisch figürliche Szenen dargestellt sind, werden so durch symmetrisch arrangierte, florale Dekore und stilisierte Tulpenblüten gerahmt, welche ihren gestalterischen Ursprung in Europa haben (Abb. 7 und 8). Derartig symmetrische florale Arrangements sind auch auf dem unteren Dekorband am Fuße des Topfes, sowie an Hals und Deckel aufgemalt (siehe Abb. 5). Zwei weitere Dekorbänder ober- und unterhalb der großen mittleren Bildfelder zeigen malerische Landschaftsdarstellungen. Insgesamt wirkt die Malerei sehr lebendig, bewegt und frei, wobei ein spielerischer Eindruck vom Umgang mit Pinsel und Farbe entsteht, bei dem die schwer zu beherrschenden, unterschiedlichen tonalen Abstufungen innerhalb des Kobaltblaus meisterhaft eingesetzt wurden.

Dieser Topf wurde bereits im Inventarbuch des Japanischen Palais aus dem Jahre 1721 unter der Nummer 9 vvv aufgeführt. Dort wird in einer Randnotiz erklärt, dass das Gefäß 1725 gesprungen ist, als man es auf ein Podest heben wollte. Anschließend wurden die Scherben wieder zusammengefügt und gekittet. Die Nähte sind auf Abb. 8 gut zu erkennen. Dieser monumentale Topf ist der größte seiner Art: alle bekannten Vergleichsstücke sind kleiner.

2.3. Blauweiß-Porzellane der Ära Kangxi (1662-1722)

In der Gruppe der Porzellane aus der Zeit des Qing-Kaisers Kangxi (1662-1722) umfasst die Sammlung August des Starken, d.h. die heutige Dresdner Porzellansammlung, weltweit den bedeutendsten Bestand. Wir werden noch eine Reihe weiterer Beispiele dieser Gruppe besprechen, wobei wir die Reihenfolge der Ausstellung berücksichtigen werden, und nicht etwa sämtliche Kangxi-Porzellane zusammengefaßt behandeln.

Zunächst drei Deckelvasen und zwei Vasen (Abb. 9 und 91), deren Form an die archaische Bronzeform Typ gu angelehnt ist. Diese fünf Gefäße sind mit einer Vielzahl von gleichgroßen, dicht angeordneten Bildreserven bemalt, in denen Landschaften mit Bergen und Flüssen dargestellt sind, in welchen Pavillons und Pagoden zu finden sind. Die Miniaturvasen der Ära Kangxi (1662-1722) bezaubern indes mit ihrem eigenen ästhetischen Wert und ihrer eleganten Schönheit (Abb. 92). Auf den mittleren drei Vasen sehen wir hier in stilisierter Form das Motiv der hundert Altertümer (chin. baigu). Diese Glücksmotive, welche Wünsche für einen kultivierten Lebensstil vermitteln, wie er etwa von Beamten und Gelehrten geführt wurde, werden wir noch häufig wieder entdecken; für eine zusammengefasste Beschreibung siehe Absatz 2.21.

Die drei großen Deckeltöpfe und zwei Stangenvasen (Abb. 93), welche auf einem Sims über dem Boden aufgestellt sind, faszinieren hingegen durch ihre prächtige Blauweiß-Bemalung. Die langen Körper der Gefäße sind in vertikale Bildfelder unterteilt, in denen Jagdszenen, Blumen, Schmetterlinge und Vögel sowie Herren bei verschiedenen Mußebeschäftigungen in Wasserlandschaften dargestellt sind (Abb. 94). Die Bildfelder werden durch ein Dekorband mit einer Wellenlinie und stilisierten Blüten von einander getrennt. Eine Besonderheit dieser Vasen ist das Motiv des stilisierten Wolken-Kragens (chin. yunling), welcher sich unterhalb des Halses und am Fuße der Gefäße in einem flachen Relief vom Grund abhebt (Abb. 95). Diese Dekorform geht auf einen Kragen zurück, der von feinen Damen der Qing-Dynastie (1644-1911) zu festlichen Anlässen über dem Gewand getragen wurde. War es ursprünglich ein dekorativer Bestandteil der Kleidung, so wurde das Motiv des yunling-Kragens auch auf Porzellanvasen übertragen. Im Falle der fünf hier behandelten Vasen sind auf dem yunling-Motiv Doppelringe und Glückssymbole dargestellt, wie etwa Weihrauchbrenner, Schriftrollen, Granatäpfel und antike Bronzegefäße (Abb. 95 oben). In den Bildfeldern selbst sind häufig Pavillons in Wasserlandschaften dargestellt, zu denen Menschen zu Fuß oder auf Eseln reitend über Steinpfade und Brücken gelangen können (Abb. 94.). Innerhalb der Felder mit Pflanzendarstellungen sind insbesondere die Päonienzweige mit ihren prächtigen Blüten, von Schmetterlingen und Vögeln ergänzt, von bezaubernder Schönheit (Abb. 96).

2.4. Blanc-de-Chine-Porzellan aus Dehua

In der Region um Dehua in der Provinz Fujian wird rein weißes Porzellan hergestellt, welches in der Regel mit einer transparenten Glasur überzogen wird. Diese schlichte, unbemalte Ware wird in China seit Jahrhunderten hoch geschätzt und sie wurde auch von August dem Starken gesammelt, wobei in einigen Fällen Gold- oder Edelmetallmontierungen bzw. Vergoldungen von Dekormotiven in Europa hinzugefügt wurden. Der Bestand an Dehua-Porzellanen in Dresden umfasst ca. 600 Stücke und gehört somit zu den Bedeutendsten. Besonders bekannt sind die blanc-de-chine-Figuren, die ursprünglich für den chinesischen Markt hergestellt wurden, ab Mitte des 17.Jhds aber auch nach Europa exportiert wurden. Wie im Falle der drei Damen (Abb. 97) wurden viele Figuren in Europa nachträglich mit rotem und schwarzem Lack versehen. Aber auch Bemalungen in Goldlack waren beliebt, wie das Beispiel der stehenden Guanyin-Figuren (Abb. 98) zeigt. Die ursprüngliche Ästhetik einer Schönheit in schlichtem Weiß ging auf diese Weise natürlich verloren, was man gut sehen kann, wenn man die bemalte Guanyin-Figur mit Kind (Abb. 99) mit dem unbemalten Pendant vergleicht (Abb. 993), bzw. wenn man die schlichte Eleganz und Schönheit der folgenden Objekte betrachtet.

2.5. Blanc-de-Chine-Porzellan aus Dehua der Ära Kangxi (1662-1722)

Die ursprüngliche Sammlung an Dehua-Porzellanen August des Starken umfasste rund 1200 Stücke, von denen jedoch nur noch rund 400 erhalten geblieben sind. Wir betrachten nun einige Highlights, mit der daoistischen Dottheit Doumu beginnend (Abb. 991 und 992). Die vielarmige Gottheit sitzt in meditativer Versenkung auf einem zweireihigen Lotos. Die Schönheit dieser Figur liegt nicht nur in der schlichten Eleganz des weißen Materials und im feien Glanz der transparenten Glasur, sondern insbesondere auch in der künstlerischen Reife, mit welcher die Materialeigenschaften des Porzellans zur formschönen Vollendung geführt wurden. Material und Form ergänzen sich auch bei den folgenden Beispielen auf bestechende Weise (im Kontrast dazu stehen die z.B. die frühen figürlichen Darstellungen aus Messen-Porzellan, bei denen ein damals neues und wenig bekanntes Material in überlieferte Formen gebracht wurde). Man beachte bei der daoistischen Gottheit besonders die meisterliche Gestaltung der Hände und Finger sowie die Stoffbänder, welche über die Unterarme in Wellen am Körper herabhängen - beides finde ich Beispiele für den rechten Sinn für Proportionen und das gekonnte Einsetzen des Materials, welches eine ausgezeichnete Kenntnis der Materialeigenschaften sowie der Brennführung voraussetzt.

Die Figur der buddhistischen Gottheit Guanyin mit Kind im Arm wird als "kinderspendende Guanyin" bezeichnet (Abb. 993). Die Gottheit sitzt in langen, herabwallenden Gewändern gehüllt in lockerer Sitzhaltung auf einem Felsen. Dabei ist ihr rechter Fuß auf dem linken Oberschenkel abgelegt, und der linke Fuß hängt herab. Neben ihr sind zu beiden Seiten auf Podesten eine Vase und eine Schriftband dargestellt, beides Attribute der Gottheit, wobei die Vase auch eines der acht buddhistischen Symbole darstellt (chin. bajixiang). Die Finger der rechten Hand der Gottheit sind beschädigt, während die linke Hand vollständig in das Gewand gehüllt ist. Die Gottheit hat einen leicht lächelnden Mund und fast verschlossene Augen, wobei der Kopf aufrecht gehalten ist und nicht etwa gesenkt. Auf ihrem linken Bein sitzt das Kind in aufrechter Haltung, dessen rechter Fuß und rechte Hand des Kindes fehlen. Am Fuße des Felsens stehen links und rechts die Begleitfiguren Shoucai (links) und Longnü (rechts). Zwischen ihnen befinden sich unterhalb der Gottheit zwei Drachen mit viergliedrigen Klauen sowie eine Lotos-Blüte und eine weitere Blüte. Besonders schön ist bei dieser Figur das durchscheinende Licht in der Krone der Gottheit. Hier befindet sich eine Darstellung des Amitabha-Buddha, welche aufgrund der Dünnwandigkeit dieses Dehua-Porzellans von hinten durchleuchtet wird.

Des Weiteren ist eine "Europäische Familie" von großem Interesse. Auch Wenchang, der Gott der Literatur, welcher mit Diener dargestellt wird, ist ein wunderschönes Beispiel für figürliches blanc-de-chine-Porzellan (Abb. 995). Die nächste Abbildung (Abb. 996) zeigt einen europäischen Reiter mit Hut, langen Haaren und großen Kugelaugen. Wenn man bedenkt, dass diese Arbeiten aus der Zeit des Kaisers Kangxi (1622-1722) stammen, so üben sie aufgrund ihres kuriosen Charakters einen besonderen Reiz auf den Betrachter aus. Abbildung 997 zeigt zwei Teekannen mit zugehörigen Teebechern mit europäischer Edelmetall-Montierung aus der zweiten Hälfte des 17.Jhds. In den Montierungen sind auf den Kannen ein Hahn, ein Löwe sowie ein Hase dargestellt. Auf dieser Abbildung ist hinter den Teebechern ein größerer Becher zu sehen, bei dem das Reliefdekor von Blütenzweigen nachträglich vergoldet wurde. Danben sieht man einen Becher mit demselben Dekor, der jedoch in seiner ursprünglichen, schlicht weißen Form belassen wurde.

Die letzte Abbildung dieser Gruppe (Abb. 998) zeigt zwei blanc-de-chine-Becher in Form von Nashornbechern bzw. geschnitzten Hornbechern. Derartige Becher werden heute noch in Dehua produziert und sind entsprechend auf den internationalen Kunstmärkten zu finden. Aus diesem Grunde ist es besonders interessant, den Zustand dieser Becher aus der Zeit des Kangxi (1662-1722) genauer zu betrachten: sie sehen aus wie neu! Der Glanz der Glasur, die glatte Oberfläche - es scheint, als würde kein mit bloßem Auge erkennbares Merkmal das Alter dieser Becher ausweisen.

2.6. Blauweiß-Porzellan der Ära Kangxi (1662-1722) mit einem Dekor weißer Reserven auf blauem Grund

Im Zuge des Umsturzes der Ming-Dynastie (1386-1644) wurden die wichtigsten Öfen für die Porzellanherstellung in China in Jingdezhen stillgelegt. Erst auf Initiative des Qing-Kaisers Kangxi (1662-1722) wurde die Produktion in Jingdezhen wieder in großem Stile aufgenommen, wobei ein Streben nach Perfektion und Meisterschaft sogleich einsetzte. Aus dieser Zeit stammen Blauweiß-Porzellane wie etwa die Doppelkürbisvasen in Abbildung 999. Das beliebte Motiv der blühenden Päonien wurde hier in Form weißer Reserven dargestellt, welche sich vor einem blauen Untergrund abheben. Man erkennt diese Technik besonders schön an den feinen blauen Linien in Blättern und Blüten der Päonien. In den Dekorarrangements der mittleren und unteren Bauchwölbung werden Päonienblüten und -Zweige mit stilisierten Drachen, Ranken und Blütenmedaillons kombiniert. Dasselbe Motiv von Päonienblüten zeigt sich auch auf der Wandung des Deckeltopfes (Abb. 9991), bei welchem darüber hinaus das Motiv des Wolkenkragens (chin. yunling) dargestellt wurde. Auch bei diesem Beispiel wurde der Dekor dadurch erzeugt, dass in Unterglasurblau grundiert wurde, wobei Reserven weiß ausgespart blieben, die dann mit feinen Linien in Unterglasurblau ausgestaltet wurden. Bei dem Teller der Ära Kangxi (1662-1722) sind die weißen Reserven zwar größer, doch es handelt sich um dieselbe Technik (Abb. 9992). Hier ist am Rande wiederum das Motiv des Wolkenkragens in stilisierter Form dargestellt, während im Spiegel eine symmetrische Anordnung von Ranken und herzförmigen Flammenmedaillons dargestellt ist, in welchen florale Arrangements mit Blüten zu erkennen sind. Auf den symmetrischen Rankenmotiven sind Ruyi- Formen zu erkennen, welche die Bedeutung "den Wünschen entsprechend" symbolisieren. Diese Ruyi-Formen können jedoch auch als stilisierte lingzhi-Pilze aufgefasst werden.

2.7. Kraak-Porzellane

Einige Highlights unter den Kraak-Porzellanen werden in einer Vitrine gesondert exponiert: Auf einer Flasche mit Glück verheißenden Symbolen (Abb. 9993) sieht man ein herzförmiges Ruyi-Symbol, welches die Bedeutung "den Wünschen entsprechend" trägt. Die weiteren Herzformen rahmen andere Symbole wie etwa einen unendlichen Knoten, welcher zu den buddhistischen Symbolen gehört, oder etwa einen bronzenen Weihrauchbrenner, welcher als Glückssymbol zu den "hundert Altertümern" zählen könnte. Es scheint jedoch keine konkrete Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe von Symbolen zu geben.

Interessant ist auch die Darstellung des daoistischen Meisters Laozi, auf einem Büffel reitend, welche sich auf einer großen Schale (Abb. 9994) befindet. Der gesamte Dekor dieser Schale zeigt eine malerische, lebendige Pinselarbeit. Besonders frisch wirken dabei die geschwungenen Rahmungslinien der Bildreserven an der Innenwandung sowie das Füllmuster zwischen ihnen. Die rechte der beiden Schalen auf Abbildung 9995 ist ebenfalls äußerst dekorativ. Auf der Wandung sind außen Bildfelder mit chinesischen Literaten in Landschaften dargestellt. Auf der Innenseite wurden holländische Blumen in Kobaltblau unter der Glasur aufgemalt. Diese Schale ist so dünnwandig, dass der blaue Dekor der Innenseite nach außen durchscheint (dies ist auf Abb. 9995 zu erkennen, wenn man sie entsprechend vergrößert). Abb. 9996 zeigt eine reich bemalte Schale mit einem Dekor zweier Fabeltiere im Spiegel.

2.8. Powderblue-Porzellane der Ära Kangxi (1662-1722)

Die Sammlung August des Starken umfasst einige speziell für den Export geschaffene Formen, wie z.B. zu mehrteiligen Garnituren zusammengestellte Deckeltöpfe und Vasen mit rein dekorativem Charakter. Schalen, Teller, Becher und Kannen wurden an der königlichen Tafel indes auch funktional genutzt. Eine wunderschöne Dekortechnik, welche sich aus den Tagen Kangxis bis in die heutige Zeit erhalten hat, ist das so genannte powderblue-Dekor. Hierbei werden die feinen Kobaltpigmente über ein Bambusröhrchen durch eine Gaze auf das unglasierte Porzellan gesprüht. Die so entstehende Farb-Oberfläche erhält dadurch einen feinen, unregelmäßig gefärbten, leicht pudrigen Blau-Grund. Die Teile, welche für bemalte Bildflächen vorgesehen waren, wurden während dem Besprühen einfach mit Papier abgedeckt.

Bei dem Ingwertopf in Abb. 9997 und 9998 wurden darüber hinaus auf dem kobaltblauen Pudergrund noch Linien in Blau aufgemalt, welche im Grunde an craquelierte Porzellanglasuren erinnern und cracked ice bezeichnet werden. Durch Auslassungen und akzentuierende Linien in Kobaltblau wurden blühende Prunuszweige als glückverheißende Symbole der Erneuerung der Natur auf Topf und Deckel dargestellt.

Der Pinselbecher (Abb. 9999) ist in der puderblue-Technik grundiert und wurde anschließend in Gold auf der Glasur bemalt und beschrieben. Bei der Aufschrift, welche auf der Abbildung leider nicht zu erkennen ist, handelt es sich um das Gedicht Die Fahrt zur Großen Wand (chin. chibi fu). Die Bilddarstellung zeigt ein Boot mit drei Personen, von denen einer der berühmte song-zeitliche Dichter Su Shi (Su Dongpo, 1037-1101) sein soll. Im Hintergrund sind Berge und an den Seiten Schilf, Bambus und Felsen zu erkennen. Dieser Pinselbecher diente dem Inventar von 1721 zufolge unter August dem Starken als Eisbehälter.

Abbildung 99991 zeigt einen besonderen Ingwertopf mit Reserven, in denen Vögel und Pflanzen im famille-rose-Stil aufgemalt sind. Die Bildreserven sind mit sauberen und exakten Linien von goldener Farbe vom puderblauen Grund abgegrenzt. Darüber hinaus wurde in goldenen Linien ein Fisch auf den blauen Pudergrund gemalt sowie ein Dekorband aus ruyi-Motiven auf der Schulter des Topfes. Eine sehr feine Bemalung in Gold auf dem gesprühten Kobaltgrund ist auf der großen Schale (Abb. 99992) zu sehen. Der goldene Dekor zeigt flammende Medaillons mit floralen Arrangements. Beeindruckend ist in diesem Fall der Erhaltungszustand der Goldmalerei, da diese bei den meisten vergleichbaren Stücken oftmals stark abgerieben ist. Die weiß ausgelassenen Dekorbänder unterhalb der Lippe und um den Mittelpunkt der Schale wurden in famille-verte-Malerei ausgestaltet. Sie zeigen Äste mit Blüten, wobei es sich wiederum um blühende Prunuszweige handeln könnte oder etwa um Kirschblüten. Ein Teller mit identischem Dekor wir unter 2.15. nochmals behandelt.

Von besonderer Eleganz sind darüber hinaus fünf Vasen mit powderblue-Glasur und weißen Reserven (Abb. 99993), die auf einem Sims im Wandbogen aufgestellt sind. Es ist, das sei zur Ausstellung insgesamt angemerkt, ein besonderer Genuss, viele Objekte offen betrachten zu können, nicht in Vitrinen hinter Glas, welches doch eine gewisse Distanz schafft. Die mittlere der fünf Vasen hat kreisförmige Bildreserven, wobei zumindest die obere Reserve in Form eines Granatapfels gehalten ist, welcher aufgrund seiner zahlreichen Kerne eine zahlreiche Nachkommenschaft symbolisiert. Die Bildmotive in den Reserven zeigen figurale Szenen sowie Pflanzen- und Vogeldarstellungen in feiner Blauweiß-Malerei unter der Glasur. In der unteren Reserve wurde das Motiv der "hundert Altertümer" dargestellt (chin. baigu) (Abb. 99994). Die Abbildung zeigt unter anderem eine hohe Vase mit Pfauenfedern, zwei antike Ritualbronzen auf Ständern, ein aufgeschlagenes Buch, ein Becherpaar sowie eine Löwenskulptur auf einem Tischen. Des Weiteren befinden sich eine Flaschenvase mit rechteckigem Mund, ein weiterer Becher, eine Schrift- oder Bildrolle und etwas, was wie ein Banner aussieht in der Darstellung.

Die Reserve des powderblue-Tellers in Abb. 99995 ist in Form einer achtpassigen Blüte gehalten und umfasst den gesamten Spiegel des Tellers. Die Malerei zeigt offene und geschlossene Päonienblüten und -zweige, die hinter einem Felsen emporwachsen. Über der Pflanze ist ein fliegendes Insekt dargestellt. Die Blüten sind in Eisenrot unter der Glasur gemalt (chin. juhong), während die übrige Darstellung in gewohntem Kobaltblau gehalten ist.
Von beeindruckender Größe und Schönheit sind zwei große Deckeltöpfe mit einem Blauweiß-Dekor in Reserven vor powderblue-Grund und je einem in Gold gefassten Löwen als Deckelknauf (Abb.99996). Der Dekor dieser Vasen teilt sich in fünf Zonen auf, mit dem Deckel beginnend, auf dem je vier Bildreserven mit figuralen Motiven zu sehen sind. Die Wandung des Halses wird von blattförmigen Reserven geziert, die vollständig mit kobaltblauen floralen Motiven ausgefüllt sind, sodass sie ebenfalls wie blau grundiert wirken. Darunter trennt eine Zickzack-Bordüre das Motiv des stilisierten Wolkenkragens (chin. yunling) ab, welches die Dekorzone auf der Schulter der Gefäße darstellt. Die Hauptdekorzone auf der Außenwandung der Gefäße wurde mit großen Reserven ausgestaltet, in denen in Blauweiß-Malerei szenische Darstellungen von Figurengruppen in Häusern, Pavillons und auf Brücken sowie in Gärten unter der Glasur aufgetragen wurden. Die unterste Dekorzone wurde nochmals durch eine Bordüre vom Mittelfeld abgetrennt, und besteht aus sich nach unten verjüngenden, blattförmigen Reserven, welche mit Pflanzen- und Tierdarstellungen in Kobaltblau bemalt sind. Darunter befindet sich eine letzte Zickzack-Bordüre über dem Boden. Das Motiv in einer der zentralen Bildreserven (Abb. 99997) zeigt verschiedene Gruppen von Frauen, die müßig einen Teich betrachten, sich bei einem Brettspiel amüsieren oder sich auf einer Brücke unterhalten. Die feine Malerei, und das gilt für sämtliche powderblue-Objekte in diesem Wandbogen, ist in zwei unterschiedlichen Blautönen ausgeführt, einem hellen und einem dunkleren Kobaltblau. Zusammen mit dem weißen Grund wird die gesamte Komposition allein aus diesen beiden Farbtönen erschaffen, fast wie bei einem Duplex -bzw. Triplex-Druck. Natürlich gibt es tonale Abstufungen, welche beispielsweise in den Dachbalken den Pinselduktus erkennen lassen, aber im Grunde kommt diese Malerei ohne Verläufe von dunklen nach hellen Tönen aus. Darüber hinaus sieht man hier, ebenfalls wie bei den meisten Objekten in diesem Wandbogen, gewisse Unregelmäßigkeiten und unsaubere Stellen. Der Übergang zwischen dem puderblauen Grund und der weißen Bildreserve ist an vielen Stellen verschmiert. Die Umrisslinien, welche die Bildmotive in den Reserven rahmen, halten sich nicht immer an den Umriss der Reserven. Dies muss, wie wir oben gesehen haben, nicht zwingend der Fall sein (vgl. Abb. 9991). In den Reserven in Form der stilisierten Wolkenkragen sind wiederum vielfache glückverheißende Symbole abgebildet (Abb. 99998 und 99999). Man sieht hier wiederum Symbole der hundert Altertümer (chin. baigu), es könnte insbesondere in den kleinen kreisförmigen Reserven aber auch das Motiv der "acht Kostbarkeiten" (chin. babao) angedeutet sein. Zu sehen sind Vasen mit Blumen oder Federn bestecket, die auch unterschiedliche Typen von Vasen repräsentieren: craquelierte Vasen, Blauweiß-Vasen sowie Vasen in Form des antiken Ritualgefäßes vom Typ gu (siehe Abb. 99999 linke Reserve). Darüber hinaus sind Weihrauchbrenner, antike Bronzen, etwa ein bronzenes Opfergefäß sowie Vasenpaare, Schrift -oder Bildrollen und Kürbisflaschen dargestellt. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es eine Aufgabe für die weiter Beschäftigung mit chinesischem Porzellan bleibt, die Fülle der glückverheißenden Symbole zu entschlüsseln.

2.9. Porzellane mit eisenroter Glasur der Ära Kangxi (1662-1772)

Bei diesen Porzellanen mit eisenroter Glasur der Ära Kangxi (1662-1722) dient korallenrotes Eisenrot aus der Palette der famille-verte als Fond. Die Farben der famille-verte werden auf Chinesisch mit yingcai bezeichnet, was "harte Farben" bezeichnet. Dazu gehören grün, blau, gelb, rot, sowie rosa aber auch schwarz - diese Farbtöne werden in der Regel als emaille-Farben bzw. Schmelzfarben auf der Glasur gemalt, anschließend wird das Objekt noch einmal bei niedrigen Temperaturen gebrannt. Im Falle der hier vorliegenden Porzellane mit eisenroter Glasur scheint das Rot jedoch unter der Glasur aufgetragen zu sein, während die Malerei in den Farben der famille-verte schließlich auf der Glasur aufgetragen wurde. Der Teller in Abb. 999991 zeigt einen prunkvollen Dekor, in dessen zentraler Bildreserve im Spiegel Vögel auf Blütenzweigen hinter einem taihu-Stein und mit einem Gartenzaun dargestellt sind. In den acht umlaufenden Bildkartuschen werden Schmetterlinge mit Blumen, Vögeln mit Blumen und taihu-Stein, Seenlandschaften und das Motiv der hundert Altertümer (chin. baigu) dargestellt. Diese Motive sind jeweils sich selbst gegenüberliegend angeordnet. D.h. gegenüber der Wasserlandschaft befindet sich wieder eine Wasserlandschaft. Im äußeren Dekorband sind zwischen floralen Arrangements Fische, Rehe, Pferde und Hasen in kleinen Reserven dargestellt, wobei die Tiere wiederum sich selbst gegenüberliegend angeordnet wurden. Ein Teller mit identischem Dekormotiv wird weiter unten unter 2.11. nochmals beschrieben.

Die zwei Stangenvasen und die Deckelvase in Abb. 999992 zeigen einen Dekor in Eisenrot mit weißen Reserven. Wie in der Detailaufnahme Abb. 999993 zu erkennen ist, wurde hier wiederum das Motiv des Wolkenkragens (chin. yunling) um die Schulter der Deckelvase verwendet, wobei die Ränder dieses Kragens in hellem Grün gefasst sind. Die Blätter und Blüten, vermutlich Päonienblüten in Aufsicht, wurden durch weiße Auslassungen konturiert und mit feinen Linien in Eisenrot ausgestaltet, ganz so, wie wir es bei den Blauweiß-Porzellanen unter 2.6. gesehen haben.

Bei der großen Vase in Abb. 999994 wurde der Dekor nach demselben Grundmuster aufgebaut. Hier jedoch wurde die Schulter oberhalb des Kragens in Grün gefasst, die Kragenränder in Blau und Blüten und Blätter wurden in zartem Rosa bzw. Grün gemalt. Einige Blüten sind in Blau oder in einem gräulichen Lila gefasst und darüber hinaus mit dichten Innenlinien versehen.

2.10. emaille-sur-biscuit-Porzellan der Ära Kangxi (1662-1722)

Bei der so genannten emaille-sur-biscuit-Technik wird der rohe, unglasierte Scherben zunächst gebrannt und anschließend werden emaille-Farben und -Glasur aufgetragen. Dann muss die Ware ein zweites Mal gebrannt werden, bei einer niedrigeren Temperatur als beim ersten Brand. Die Schwierigkeit, die es für die Töpfer- und Brennmeister dabei zu überwinden gilt, liegt darin, dass sich beim zweiten Brand die Glasur nur schwer mit dem bereits gebrannten Scherben verbindet. Diese Waren wurden vornehmlich für den Export hergestellt. Besonders beliebt waren in Europa kleine Tierfiguren, wie sie unterhalb der Schale in Abb. 999995 zu sehen sind. Die Schale selbst weist einen grünen Fond auf, wobei der Dekor aus einer Reihe von Glückssymbolen besteht, die über Wellen dargestellt sind. Mit der emaille-Farbe Weiß wurden hier Wasser und Blüten dargestellt. Die Glückssymbole scheinen eine Kombination aus den "acht Kostbarkeiten" (chin. babao) und den acht buddhistischen Symbolen zu sein. Muschel, Vase und unendlicher Knoten gehören zu den buddhistischen Symbolen, während andere dargestellte Symbole bei den "acht Kostbarkeiten" wieder zu finden sind.

Auf Abb. 999996 ist ein Deckeltopf mit einem gelben Fond zu sehen (rechts). In grüner Bemalung mit schwarzen Konturen wurden darüber Rankenmotive mit Medaillons aus Blüten und ruyi-Motiven angeordnet. Besonders hübsch sind ein Kännchen in Form eines Bambusbündels (links) und ein Kännchen in Form einer Lotos-Samenkapsel (rechts) (Abb. 999997). Bei dem Kännchen links sieht man eine schöne Palette an emaille-Farben mit grünen, türkisen sowie dunkelblauen und lila-Farbtönen.

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