1. Einleitung - Die
Porzellansammlung im Zwinger Dresden:
Die Sammlung asiatischen
Porzellans in Dresden geht auf August den Starken
(12.5.1670 -1.2.1733; König von Polen und
Großherzog von Litauen) zurück, der mit
überaus großer Leidenschaft Porzellane aus
China und Japan sammelte. Er konnte dabei auf
unterschiedliche Quellen zurückgreifen: Zum
einen ließ er durch Agenten auf Versteigerungen
in Holland einkaufen, welche von der Vereinigten
Ostindischen Compagnie (V.O.C.) der
holländischen Seemacht durchgeführt wurden.
Diese regulierte seit Beginn des 17.Jhds. den
Seehandel mit China und brachte insbesondere nach
der Zerstörung Jingdezhens, des wichtigsten
Produktionsortes für Porzellan in China, welcher
Mitte des 17.Jhds aufgrund der Umwürfe zwischen
Ming- und Qing-Dynastie brachlag, Porzellanwaren
aus Japan auf den europäischen Markt. Aber auch
durch Käufe auf der Leipziger Messe bzw. durch
Schenkungen von Angehörigen des Hofes konnte
August der Starke seine Sammlung beträchtlich
erweitern.
Die Liebe zum Porzellan
erzeugte den Wunsch, das Geheimnis der
Herstellung dieses "weißen Goldes" zu
entschlüsseln. In Dresden gelang dies nach
erbitterten Versuchen schließlich Johann
Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von
Tschirnhaus, woraufhin unter August dem Starken
1710 die erste eigene Porzellanmanufaktur zu
Meißen gegründet wurde, die bekanntlich bis zum
heutigen Tage hochwertiges Porzellan produziert.
Nach diesen Erfolgen wurde
die Königliche Porzellansammlung zu Dresden
im Jahre 1715 gegründet. August der Starke ließ
das 1717 erworbene "Holländische
Palais" zu einem Porzellanschloss
umgestalten, in dem ostasiatisches (damals
"ostindisches") zusammen mit Meißener
Porzellan präsentiert werden sollte. Seit 1722
wurde dieses Schloss "Japanisches
Palais" genannt und verfügte bereits über
prachtvolle Räume, die im "indianischen
Stil" mit ostasiatischen Lackarbeiten und
wertvollen Seidentapeten ausgestattet waren. Eine
Besonderheit der Dresdner Sammlung sind die
erhaltenen Inventare aus dem 18.Jh. Im Frühesten
aus dem Jahre 1721 werden bereits 22 000 Objekte
aufgelistet, von denen heute noch ca. 12 000
erhalten sind. Auf vielen Ausstellungsobjekten
ist die eingeritzte oder aufgemalte
Inventarnummer noch zu sehen, und darüber hinaus
werden in der Inventarliste oftmals hinweise auf
den Verwendungszweck bestimmter Objekte
angegeben. So wurde ein Pinselbecher der Ära
Kangxi (1662-1722) unter August dem Starken etwa
zum Eisbehälter umfunktioniert, währen die
großen blauweißen Fischbecken mehrheitlich als
Übertöpfe für die königlichen Orangenbäume
dienten. August der Starke starb 1733 vor
Vollendung des Japanischen Palais und mit seinem
Ableben ging auch ein bedeutendes Stück
Sammlungsgeschichte von ostasiatischen
Porzellanen in Deutschland zu Ende.

Seit 1962 sind die
kostbaren Ausstellungsstücke aus China, Japan
und Meißen im Zwinger in Dresden zu sehen. Zuvor
war der Großteil der Sammlung im Jahre 1952 aus
der Sowjetunion zurückgekehrt, nachdem er durch
die Rote Armee Ende des Zweiten Weltkriegs als
Beutekunst abtransportiert worden war. Die
heutige Präsentation umfasst chinesisches
Porzellan der Ära Kangxi (1662-1722), ein
Gebiet, auf dem die Sammlung August des Starken
weltweit zu den Bedeutendsten zählt, japanische
Imari- und Kakiemon-Porzellane des 17. und
frühen 18. Jahrhunderts sowie Frühes und
Zeitgenössisches der Königlichen
Porzellan-Manufaktur in Meißen. Anfang des
20.Jhds wurden zahlreiche Ankäufe durch die
Sammlung erworben, zu denen auch zumindest ein
bemerkenswertes Stück aus dem chinesischen
Kaiserpalast zählt. Diese Ankäufe sollten die
Entstehungsgeschichte des chinesischen Porzellans
besser repräsentieren, als die bisherige
Sammlung. Denn die ursprüngliche Sammlung August
des Starken umfasste zwar einzigartige
chinesische Porzellane, die nicht nur für den
Export, sondern auch für den einheimischen Markt
produziert worden waren. Jedoch fehlten
klassische Sammelgebiete im Bereich Keramik, wie
etwa monochrome, kraquelierte Ware von Typ guan
oder ge, darüber hinaus jun-Ware
mit fluoriszierender Oberfläche oder die in
China hoch geschätzten mehrfach glasierten
Seladone aus Longquan, um einige zu nennen.
Derartige Waren sind auch heute nur in Ansätzen
vertreten.
Die derzeit ca. 2000
ausgestellten Stücke sollen nun auch nicht die
Geschichte der chinesischen Keramik
verdeutlichen, sondern sie zeigen prachtvolle
Stücke, darunter viele Porzellan-Highlights,
welche die große Leidenschaft des Sammlers
August der Starke verdeutlichen. Aufgrund der
Tatsache, dass die Porzellane in der Ausstellung
vielfach gar nicht beschriftet sind, um den
Gesamteindruck der prunkvollen barocken Symmetrie
nicht in Details zu zerschlagen, könnte man
meinen, dass ein Schwerpunkt der
Ausstellung sicherlich die eigene
Sammlungsgeschichte selbst ist. Eingebettet in
ein überwältigendes Ambiente wird dem
Betrachter im Zwinger wie selbstverständlich ein
Gefühl davon vermittelt, auf welche Weise die
ostasiatischen Porzellane zu Zeiten August des
Starken aufgefasst worden sein müssen und wie
sie ihre Wirkung entfalten lassen konnten. Seit
ihrer Neueröffnung im Oktober 2006 präsentiert
sich die Neue Ostasien-Galerie in den neu
restaurierten und speziell eingerichteten Räumen
der ehemaligen Orangerie der sächsischen
Kurfürsten. Bei dieser Neugestaltung wurde ein
Interieur-Entwurf des Architekten
Zacharias Longuelune von 1735 für das Japanische
Palais nachempfunden und mit chinesischem
Blauweiß-Porzellan ausgestattet. Diese
historische Vorlage wurde durch den New Yorker
Architekten Peter Marino neu interpretiert, der
die Ausstellungsräume mit barockem Glanz
ausstattete. Die Blauweiß-Porzellane werden vor
mit kostbarer Seide bespannten Wandfeldern, auf
vergoldeten Konsolen, Kaminsimsen und
prachtvollen Tischen präsentiert. In sämtlichen
Wandfeldern nicht nur in der neuen Galerie,
sondern auch in den älteren Räumen der
Porzellansammlung bestechen die Arrangements der
Porzellane in barocker Symmetrie: Zu jedem Teller
gibt es ein Gegenstück, zu jedem Arrangement von
Vasen findet sich ein symmetrisches Gegengewicht.
Darin liegt gewiss eine Spur des Geistes des
Barock, ganz konträr etwa zu einer chinesischen
Gewohnheit, nach der die meisten Stücke verpackt
werden und dem Besucher nur bei Bedarf und
Gelegenheit zur Ansicht gegeben werden. Aber auch
wenn man an gewöhnliche Museumsvitrinen denkt,
in denen die Objekte dezent und feinfühlig
ausgeleuchtet werden, um in einer neutralen
Umgebung bestmöglich zur Geltung kommen zu
können, so unterscheidet sich das
Ausstellungsdesign im Zwinger doch erheblich. Die
Ausstellungsräume sind, von den Räumen für das
frühe Meißen-Porzellan abgesehen, mit hohen
Fensterfronten versehen, durch welche helles
Tageslicht eindringen kann. Die Porzellane werden
zusätzlich nur mehr durch Strahler von der Decke
her beleuchtet. Abgesehen von den
überwältigenden Highlights in den Vitrinen und
den ohnehin gut sichtbaren Objekten in Augenhöhe
ist die Ausstellungsgestaltung im Zwinger darauf
bedacht, den Prunk und die Fülle der Sammlung
August des Starken zu zeigen, worunter die
Schönheit und Besonderheit von einzelnen
Objekten, bzw. der Genuss derselben, an manchen
Stellen zu leiden hat. Die tut jedoch dem
unschätzbaren Wert der Ausstellung und der
Einzigartigkeit und kunsthistorischen Bedeutung
ihrer Exponate keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil,
wie wir in Absatz 2 sehen werden, gehören ganz
außergewöhnliche chinesische
Porzellanerzeugnisse zu den Exponaten, zum
Beispiel etwa Auftragesporzellane, deren Dekore
kunsthistorisch ganz einzigartige Symbiosen von
chinesischen mit europäischen Motiven eingehen.

2. Beschreibung der
Ausstellungsstücke
2.1. Kraak-Porzellane
aus der ersten Hälfte des 17.Jhdts
Das Wort Kraak
stammt aus dem Holländischen und geht auf den
portugiesischen Schiffstypus caracca
zurück, mit welchem die Portugiesen Ende des
16.Jhds Handel mit "Ostindien" (heute
Südostasien) betrieben. Die holländische
Vereinigte Ostindische Compagnie (V.O.C.)
verschiffte ab 1602 chinesisches Porzellan,
welches in südchinesischen Häfen geladen wurde.
Zu den beliebtesten Formen des im damaligen
Europa begehrten Porzellans gehörten Schalen,
Becher, Schüsseln und Flaschen und nicht zuletzt
Teller. Später erst wurden ganze Service mit
einheitlichen Dekormotiven im Auftrag der
Europäer in China gefertigt. In Abb. 1
sehen wir einen Wandbogen mit blauweißen Kraak-Porzellanen
der ersten Hälfte des 17.Jhds in symetrischer
Anordnung, wie es für das Dresdner
Ausstellungsdesign typisch ist. Bei den frühen
von den Holländern gehandelten Porzellanen in
der ersten Hälfte des 17.Jhds waren die
häufigsten Dekormotive malerische Darstellungen
in Kobaltblau von Blumen, Uferlandschaften mit
Vögeln, Insekten und Figuren (siehe Abb. 2,3
und 4). Die Ränder wurden mit Blumen und
glückverheißenden Symbolen versehen. Die
chinesischen Porzellanmanufakturen in Jingdezhen
produzierten diese Handelswaren gezielt für den
Export. Figurale Motive wie der Gelehrte mit
Diener im Spiegel des Tellers in Abb. 5 haben
daher in der Regel einen rein dekorativen
Charakter und beinhalten kaum klassische
literarische Motive.

2.2. Deckeltopf,
Ming-Dynastie (1386-1644), Ära Chongzheng
(1627-1644)
Die hochwertige
Blauweiß-Bemalung dieses großen Deckeltopfes (Abb.
6) aus der vermutlich späten Ming-Dynastie
(1386-1644) kombiniert im Dekor europäische und
chinesische Motive. Seit dem Jahr 1635 wurden in
China Porzellane mit Dekoren nach holländischen
Vorbildern hergestellt. In Holland war seinerzeit
die Tulpe ein überaus beliebtes Motiv, und so
wurden auch auf chinesischen Exportporzellanen
Tulpen gemalt. Bei diesem Topf kontrastieren die
"chinesischen" Partien des Dekors in
einem freien, malerisch lockeren Stil mit
ornamental stilisierten Blütenzweigen und
Tulpen. Die großflächigen Reserven auf dem
Korpus, in denen malerisch figürliche Szenen
dargestellt sind, werden so durch symmetrisch
arrangierte, florale Dekore und stilisierte
Tulpenblüten gerahmt, welche ihren
gestalterischen Ursprung in Europa haben (Abb.
7 und 8). Derartig symmetrische florale
Arrangements sind auch auf dem unteren Dekorband
am Fuße des Topfes, sowie an Hals und Deckel
aufgemalt (siehe Abb. 5). Zwei weitere
Dekorbänder ober- und unterhalb der großen
mittleren Bildfelder zeigen malerische
Landschaftsdarstellungen. Insgesamt wirkt die
Malerei sehr lebendig, bewegt und frei, wobei ein
spielerischer Eindruck vom Umgang mit Pinsel und
Farbe entsteht, bei dem die schwer zu
beherrschenden, unterschiedlichen tonalen
Abstufungen innerhalb des Kobaltblaus meisterhaft
eingesetzt wurden.
Dieser Topf wurde bereits
im Inventarbuch des Japanischen Palais aus dem
Jahre 1721 unter der Nummer 9 vvv aufgeführt.
Dort wird in einer Randnotiz erklärt, dass das
Gefäß 1725 gesprungen ist, als man es auf ein
Podest heben wollte. Anschließend wurden die
Scherben wieder zusammengefügt und gekittet. Die
Nähte sind auf Abb. 8 gut zu erkennen.
Dieser monumentale Topf ist der größte seiner
Art: alle bekannten Vergleichsstücke sind
kleiner.

2.3.
Blauweiß-Porzellane der Ära Kangxi (1662-1722)
In der Gruppe der
Porzellane aus der Zeit des Qing-Kaisers Kangxi
(1662-1722) umfasst die Sammlung August des
Starken, d.h. die heutige Dresdner
Porzellansammlung, weltweit den bedeutendsten
Bestand. Wir werden noch eine Reihe weiterer
Beispiele dieser Gruppe besprechen, wobei wir die
Reihenfolge der Ausstellung berücksichtigen
werden, und nicht etwa sämtliche
Kangxi-Porzellane zusammengefaßt behandeln.
Zunächst drei Deckelvasen
und zwei Vasen (Abb. 9 und 91), deren Form
an die archaische Bronzeform Typ gu
angelehnt ist. Diese fünf Gefäße sind mit
einer Vielzahl von gleichgroßen, dicht
angeordneten Bildreserven bemalt, in denen
Landschaften mit Bergen und Flüssen dargestellt
sind, in welchen Pavillons und Pagoden zu finden
sind. Die Miniaturvasen der Ära Kangxi
(1662-1722) bezaubern indes mit ihrem eigenen
ästhetischen Wert und ihrer eleganten Schönheit
(Abb. 92). Auf den mittleren drei
Vasen sehen wir hier in stilisierter Form das
Motiv der hundert Altertümer (chin. baigu).
Diese Glücksmotive, welche Wünsche für einen
kultivierten Lebensstil vermitteln, wie er etwa
von Beamten und Gelehrten geführt wurde, werden
wir noch häufig wieder entdecken; für eine
zusammengefasste Beschreibung siehe Absatz 2.21.
Die drei großen
Deckeltöpfe und zwei Stangenvasen (Abb. 93),
welche auf einem Sims über dem Boden aufgestellt
sind, faszinieren hingegen durch ihre prächtige
Blauweiß-Bemalung. Die langen Körper der
Gefäße sind in vertikale Bildfelder unterteilt,
in denen Jagdszenen, Blumen, Schmetterlinge und
Vögel sowie Herren bei verschiedenen
Mußebeschäftigungen in Wasserlandschaften
dargestellt sind (Abb. 94). Die Bildfelder
werden durch ein Dekorband mit einer Wellenlinie
und stilisierten Blüten von einander getrennt.
Eine Besonderheit dieser Vasen ist das Motiv des
stilisierten Wolken-Kragens (chin. yunling),
welcher sich unterhalb des Halses und am Fuße
der Gefäße in einem flachen Relief vom Grund
abhebt (Abb. 95). Diese Dekorform geht auf
einen Kragen zurück, der von feinen Damen der
Qing-Dynastie (1644-1911) zu festlichen Anlässen
über dem Gewand getragen wurde. War es
ursprünglich ein dekorativer Bestandteil der
Kleidung, so wurde das Motiv des yunling-Kragens
auch auf Porzellanvasen übertragen. Im Falle der
fünf hier behandelten Vasen sind auf dem yunling-Motiv
Doppelringe und Glückssymbole dargestellt, wie
etwa Weihrauchbrenner, Schriftrollen,
Granatäpfel und antike Bronzegefäße (Abb.
95 oben). In den Bildfeldern selbst sind
häufig Pavillons in Wasserlandschaften
dargestellt, zu denen Menschen zu Fuß oder auf
Eseln reitend über Steinpfade und Brücken
gelangen können (Abb. 94.). Innerhalb der
Felder mit Pflanzendarstellungen sind
insbesondere die Päonienzweige mit ihren
prächtigen Blüten, von Schmetterlingen und
Vögeln ergänzt, von bezaubernder Schönheit (Abb.
96).

2.4. Blanc-de-Chine-Porzellan
aus Dehua
In der Region um Dehua in
der Provinz Fujian wird rein weißes Porzellan
hergestellt, welches in der Regel mit einer
transparenten Glasur überzogen wird. Diese
schlichte, unbemalte Ware wird in China seit
Jahrhunderten hoch geschätzt und sie wurde auch
von August dem Starken gesammelt, wobei in
einigen Fällen Gold- oder Edelmetallmontierungen
bzw. Vergoldungen von Dekormotiven in Europa
hinzugefügt wurden. Der Bestand an
Dehua-Porzellanen in Dresden umfasst ca. 600
Stücke und gehört somit zu den Bedeutendsten.
Besonders bekannt sind die blanc-de-chine-Figuren,
die ursprünglich für den chinesischen Markt
hergestellt wurden, ab Mitte des 17.Jhds aber
auch nach Europa exportiert wurden. Wie im Falle
der drei Damen (Abb. 97) wurden viele
Figuren in Europa nachträglich mit rotem und
schwarzem Lack versehen. Aber auch Bemalungen in
Goldlack waren beliebt, wie das Beispiel der
stehenden Guanyin-Figuren (Abb. 98)
zeigt. Die ursprüngliche Ästhetik einer
Schönheit in schlichtem Weiß ging auf diese
Weise natürlich verloren, was man gut sehen
kann, wenn man die bemalte Guanyin-Figur
mit Kind (Abb. 99) mit dem unbemalten
Pendant vergleicht (Abb. 993), bzw. wenn
man die schlichte Eleganz und Schönheit der
folgenden Objekte betrachtet.

2.5. Blanc-de-Chine-Porzellan
aus Dehua der Ära Kangxi (1662-1722)
Die ursprüngliche Sammlung
an Dehua-Porzellanen August des Starken umfasste
rund 1200 Stücke, von denen jedoch nur noch rund
400 erhalten geblieben sind. Wir betrachten nun
einige Highlights, mit der daoistischen Dottheit Doumu
beginnend (Abb. 991 und 992). Die
vielarmige Gottheit sitzt in meditativer
Versenkung auf einem zweireihigen Lotos. Die
Schönheit dieser Figur liegt nicht nur in der
schlichten Eleganz des weißen Materials und im
feien Glanz der transparenten Glasur, sondern
insbesondere auch in der künstlerischen Reife,
mit welcher die Materialeigenschaften des
Porzellans zur formschönen Vollendung geführt
wurden. Material und Form ergänzen sich auch bei
den folgenden Beispielen auf bestechende Weise
(im Kontrast dazu stehen die z.B. die frühen
figürlichen Darstellungen aus Messen-Porzellan,
bei denen ein damals neues und wenig bekanntes
Material in überlieferte Formen gebracht wurde).
Man beachte bei der daoistischen Gottheit
besonders die meisterliche Gestaltung der Hände
und Finger sowie die Stoffbänder, welche über
die Unterarme in Wellen am Körper herabhängen -
beides finde ich Beispiele für den rechten Sinn
für Proportionen und das gekonnte Einsetzen des
Materials, welches eine ausgezeichnete Kenntnis
der Materialeigenschaften sowie der Brennführung
voraussetzt.
Die Figur der
buddhistischen Gottheit Guanyin mit Kind
im Arm wird als "kinderspendende
Guanyin" bezeichnet (Abb. 993). Die
Gottheit sitzt in langen, herabwallenden
Gewändern gehüllt in lockerer Sitzhaltung auf
einem Felsen. Dabei ist ihr rechter Fuß auf dem
linken Oberschenkel abgelegt, und der linke Fuß
hängt herab. Neben ihr sind zu beiden Seiten auf
Podesten eine Vase und eine Schriftband
dargestellt, beides Attribute der Gottheit, wobei
die Vase auch eines der acht buddhistischen
Symbole darstellt (chin. bajixiang). Die
Finger der rechten Hand der Gottheit sind
beschädigt, während die linke Hand vollständig
in das Gewand gehüllt ist. Die Gottheit hat
einen leicht lächelnden Mund und fast
verschlossene Augen, wobei der Kopf aufrecht
gehalten ist und nicht etwa gesenkt. Auf ihrem
linken Bein sitzt das Kind in aufrechter Haltung,
dessen rechter Fuß und rechte Hand des Kindes
fehlen. Am Fuße des Felsens stehen links und
rechts die Begleitfiguren Shoucai (links)
und Longnü (rechts). Zwischen ihnen
befinden sich unterhalb der Gottheit zwei Drachen
mit viergliedrigen Klauen sowie eine Lotos-Blüte
und eine weitere Blüte. Besonders schön ist bei
dieser Figur das durchscheinende Licht in der
Krone der Gottheit. Hier befindet sich eine
Darstellung des Amitabha-Buddha, welche aufgrund
der Dünnwandigkeit dieses Dehua-Porzellans von
hinten durchleuchtet wird.
Des Weiteren ist eine
"Europäische Familie" von großem
Interesse. Auch Wenchang, der Gott der
Literatur, welcher mit Diener dargestellt wird,
ist ein wunderschönes Beispiel für figürliches
blanc-de-chine-Porzellan (Abb. 995).
Die nächste Abbildung (Abb. 996) zeigt
einen europäischen Reiter mit Hut, langen Haaren
und großen Kugelaugen. Wenn man bedenkt, dass
diese Arbeiten aus der Zeit des Kaisers Kangxi
(1622-1722) stammen, so üben sie aufgrund ihres
kuriosen Charakters einen besonderen Reiz auf den
Betrachter aus. Abbildung 997 zeigt zwei
Teekannen mit zugehörigen Teebechern mit
europäischer Edelmetall-Montierung aus der
zweiten Hälfte des 17.Jhds. In den Montierungen
sind auf den Kannen ein Hahn, ein Löwe sowie ein
Hase dargestellt. Auf dieser Abbildung ist hinter
den Teebechern ein größerer Becher zu sehen,
bei dem das Reliefdekor von Blütenzweigen
nachträglich vergoldet wurde. Danben sieht man
einen Becher mit demselben Dekor, der jedoch in
seiner ursprünglichen, schlicht weißen Form
belassen wurde.
Die letzte Abbildung dieser
Gruppe (Abb. 998) zeigt zwei blanc-de-chine-Becher
in Form von Nashornbechern bzw. geschnitzten
Hornbechern. Derartige Becher werden heute noch
in Dehua produziert und sind entsprechend auf den
internationalen Kunstmärkten zu finden. Aus
diesem Grunde ist es besonders interessant, den
Zustand dieser Becher aus der Zeit des Kangxi
(1662-1722) genauer zu betrachten: sie sehen aus
wie neu! Der Glanz der Glasur, die glatte
Oberfläche - es scheint, als würde kein mit
bloßem Auge erkennbares Merkmal das Alter dieser
Becher ausweisen.

2.6.
Blauweiß-Porzellan der Ära Kangxi (1662-1722)
mit einem Dekor weißer Reserven auf blauem Grund
Im Zuge des Umsturzes der
Ming-Dynastie (1386-1644) wurden die wichtigsten
Öfen für die Porzellanherstellung in China in
Jingdezhen stillgelegt. Erst auf Initiative des
Qing-Kaisers Kangxi (1662-1722) wurde die
Produktion in Jingdezhen wieder in großem Stile
aufgenommen, wobei ein Streben nach Perfektion
und Meisterschaft sogleich einsetzte. Aus dieser
Zeit stammen Blauweiß-Porzellane wie etwa die
Doppelkürbisvasen in Abbildung 999. Das
beliebte Motiv der blühenden Päonien wurde hier
in Form weißer Reserven dargestellt, welche sich
vor einem blauen Untergrund abheben. Man erkennt
diese Technik besonders schön an den feinen
blauen Linien in Blättern und Blüten der
Päonien. In den Dekorarrangements der mittleren
und unteren Bauchwölbung werden Päonienblüten
und -Zweige mit stilisierten Drachen, Ranken und
Blütenmedaillons kombiniert. Dasselbe Motiv von
Päonienblüten zeigt sich auch auf der Wandung
des Deckeltopfes (Abb. 9991), bei welchem
darüber hinaus das Motiv des Wolkenkragens
(chin. yunling) dargestellt wurde. Auch
bei diesem Beispiel wurde der Dekor dadurch
erzeugt, dass in Unterglasurblau grundiert wurde,
wobei Reserven weiß ausgespart blieben, die dann
mit feinen Linien in Unterglasurblau ausgestaltet
wurden. Bei dem Teller der Ära Kangxi
(1662-1722) sind die weißen Reserven zwar
größer, doch es handelt sich um dieselbe
Technik (Abb. 9992). Hier ist am Rande
wiederum das Motiv des Wolkenkragens in
stilisierter Form dargestellt, während im
Spiegel eine symmetrische Anordnung von Ranken
und herzförmigen Flammenmedaillons dargestellt
ist, in welchen florale Arrangements mit Blüten
zu erkennen sind. Auf den symmetrischen
Rankenmotiven sind Ruyi- Formen zu
erkennen, welche die Bedeutung "den
Wünschen entsprechend" symbolisieren. Diese
Ruyi-Formen können jedoch auch als
stilisierte lingzhi-Pilze aufgefasst
werden.

2.7. Kraak-Porzellane
Einige Highlights unter den
Kraak-Porzellanen werden in einer Vitrine
gesondert exponiert: Auf einer Flasche mit Glück
verheißenden Symbolen (Abb. 9993)
sieht man ein herzförmiges Ruyi-Symbol,
welches die Bedeutung "den Wünschen
entsprechend" trägt. Die weiteren
Herzformen rahmen andere Symbole wie etwa einen
unendlichen Knoten, welcher zu den buddhistischen
Symbolen gehört, oder etwa einen bronzenen
Weihrauchbrenner, welcher als Glückssymbol zu
den "hundert Altertümern" zählen
könnte. Es scheint jedoch keine konkrete
Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe von Symbolen
zu geben.
Interessant ist auch die
Darstellung des daoistischen Meisters Laozi, auf
einem Büffel reitend, welche sich auf einer
großen Schale (Abb. 9994) befindet. Der
gesamte Dekor dieser Schale zeigt eine
malerische, lebendige Pinselarbeit. Besonders
frisch wirken dabei die geschwungenen
Rahmungslinien der Bildreserven an der
Innenwandung sowie das Füllmuster zwischen
ihnen. Die rechte der beiden Schalen auf Abbildung
9995 ist ebenfalls äußerst dekorativ. Auf
der Wandung sind außen Bildfelder mit
chinesischen Literaten in Landschaften
dargestellt. Auf der Innenseite wurden
holländische Blumen in Kobaltblau unter der
Glasur aufgemalt. Diese Schale ist so
dünnwandig, dass der blaue Dekor der Innenseite
nach außen durchscheint (dies ist auf Abb.
9995 zu erkennen, wenn man sie entsprechend
vergrößert). Abb. 9996 zeigt eine reich
bemalte Schale mit einem Dekor zweier Fabeltiere
im Spiegel.

2.8. Powderblue-Porzellane
der Ära Kangxi (1662-1722)
Die Sammlung August des
Starken umfasst einige speziell für den Export
geschaffene Formen, wie z.B. zu mehrteiligen
Garnituren zusammengestellte Deckeltöpfe und
Vasen mit rein dekorativem Charakter. Schalen,
Teller, Becher und Kannen wurden an der
königlichen Tafel indes auch funktional genutzt.
Eine wunderschöne Dekortechnik, welche sich aus
den Tagen Kangxis bis in die heutige Zeit
erhalten hat, ist das so genannte powderblue-Dekor.
Hierbei werden die feinen Kobaltpigmente über
ein Bambusröhrchen durch eine Gaze auf das
unglasierte Porzellan gesprüht. Die so
entstehende Farb-Oberfläche erhält dadurch
einen feinen, unregelmäßig gefärbten, leicht
pudrigen Blau-Grund. Die Teile, welche für
bemalte Bildflächen vorgesehen waren, wurden
während dem Besprühen einfach mit Papier
abgedeckt.
Bei dem Ingwertopf in Abb.
9997 und 9998 wurden darüber hinaus
auf dem kobaltblauen Pudergrund noch Linien in
Blau aufgemalt, welche im Grunde an craquelierte
Porzellanglasuren erinnern und cracked ice
bezeichnet werden. Durch Auslassungen und
akzentuierende Linien in Kobaltblau wurden
blühende Prunuszweige als glückverheißende
Symbole der Erneuerung der Natur auf Topf und
Deckel dargestellt.
Der Pinselbecher (Abb.
9999) ist in der puderblue-Technik
grundiert und wurde anschließend in Gold auf der
Glasur bemalt und beschrieben. Bei der
Aufschrift, welche auf der Abbildung leider nicht
zu erkennen ist, handelt es sich um das Gedicht Die
Fahrt zur Großen Wand (chin. chibi fu).
Die Bilddarstellung zeigt ein Boot mit drei
Personen, von denen einer der berühmte
song-zeitliche Dichter Su Shi (Su Dongpo,
1037-1101) sein soll. Im Hintergrund sind Berge
und an den Seiten Schilf, Bambus und Felsen zu
erkennen. Dieser Pinselbecher diente dem Inventar
von 1721 zufolge unter August dem Starken als
Eisbehälter.
Abbildung 99991 zeigt
einen besonderen Ingwertopf mit Reserven, in
denen Vögel und Pflanzen im famille-rose-Stil
aufgemalt sind. Die Bildreserven sind mit
sauberen und exakten Linien von goldener Farbe
vom puderblauen Grund abgegrenzt. Darüber hinaus
wurde in goldenen Linien ein Fisch auf den blauen
Pudergrund gemalt sowie ein Dekorband aus ruyi-Motiven
auf der Schulter des Topfes. Eine sehr feine
Bemalung in Gold auf dem gesprühten Kobaltgrund
ist auf der großen Schale (Abb. 99992) zu
sehen. Der goldene Dekor zeigt flammende
Medaillons mit floralen Arrangements.
Beeindruckend ist in diesem Fall der
Erhaltungszustand der Goldmalerei, da diese bei
den meisten vergleichbaren Stücken oftmals stark
abgerieben ist. Die weiß ausgelassenen
Dekorbänder unterhalb der Lippe und um den
Mittelpunkt der Schale wurden in famille-verte-Malerei
ausgestaltet. Sie zeigen Äste mit Blüten, wobei
es sich wiederum um blühende Prunuszweige
handeln könnte oder etwa um Kirschblüten. Ein
Teller mit identischem Dekor wir unter 2.15.
nochmals behandelt.
Von besonderer Eleganz sind
darüber hinaus fünf Vasen mit powderblue-Glasur
und weißen Reserven (Abb. 99993), die auf
einem Sims im Wandbogen aufgestellt sind. Es ist,
das sei zur Ausstellung insgesamt angemerkt, ein
besonderer Genuss, viele Objekte offen betrachten
zu können, nicht in Vitrinen hinter Glas,
welches doch eine gewisse Distanz schafft. Die
mittlere der fünf Vasen hat kreisförmige
Bildreserven, wobei zumindest die obere Reserve
in Form eines Granatapfels gehalten ist, welcher
aufgrund seiner zahlreichen Kerne eine zahlreiche
Nachkommenschaft symbolisiert. Die Bildmotive in
den Reserven zeigen figurale Szenen sowie
Pflanzen- und Vogeldarstellungen in feiner
Blauweiß-Malerei unter der Glasur. In der
unteren Reserve wurde das Motiv der "hundert
Altertümer" dargestellt (chin. baigu)
(Abb. 99994). Die Abbildung zeigt unter
anderem eine hohe Vase mit Pfauenfedern, zwei
antike Ritualbronzen auf Ständern, ein
aufgeschlagenes Buch, ein Becherpaar sowie eine
Löwenskulptur auf einem Tischen. Des Weiteren
befinden sich eine Flaschenvase mit rechteckigem
Mund, ein weiterer Becher, eine Schrift- oder
Bildrolle und etwas, was wie ein Banner aussieht
in der Darstellung.
Die Reserve des powderblue-Tellers
in Abb. 99995 ist in Form einer
achtpassigen Blüte gehalten und umfasst den
gesamten Spiegel des Tellers. Die Malerei zeigt
offene und geschlossene Päonienblüten und
-zweige, die hinter einem Felsen emporwachsen.
Über der Pflanze ist ein fliegendes Insekt
dargestellt. Die Blüten sind in Eisenrot unter
der Glasur gemalt (chin. juhong), während
die übrige Darstellung in gewohntem Kobaltblau
gehalten ist.
Von beeindruckender Größe und Schönheit sind
zwei große Deckeltöpfe mit einem
Blauweiß-Dekor in Reserven vor powderblue-Grund
und je einem in Gold gefassten Löwen als
Deckelknauf (Abb.99996). Der Dekor dieser
Vasen teilt sich in fünf Zonen auf, mit dem
Deckel beginnend, auf dem je vier Bildreserven
mit figuralen Motiven zu sehen sind. Die Wandung
des Halses wird von blattförmigen Reserven
geziert, die vollständig mit kobaltblauen
floralen Motiven ausgefüllt sind, sodass sie
ebenfalls wie blau grundiert wirken. Darunter
trennt eine Zickzack-Bordüre das Motiv des
stilisierten Wolkenkragens (chin. yunling)
ab, welches die Dekorzone auf der Schulter der
Gefäße darstellt. Die Hauptdekorzone auf der
Außenwandung der Gefäße wurde mit großen
Reserven ausgestaltet, in denen in
Blauweiß-Malerei szenische Darstellungen von
Figurengruppen in Häusern, Pavillons und auf
Brücken sowie in Gärten unter der Glasur
aufgetragen wurden. Die unterste Dekorzone wurde
nochmals durch eine Bordüre vom Mittelfeld
abgetrennt, und besteht aus sich nach unten
verjüngenden, blattförmigen Reserven, welche
mit Pflanzen- und Tierdarstellungen in Kobaltblau
bemalt sind. Darunter befindet sich eine letzte
Zickzack-Bordüre über dem Boden. Das Motiv in
einer der zentralen Bildreserven (Abb. 99997)
zeigt verschiedene Gruppen von Frauen, die
müßig einen Teich betrachten, sich bei einem
Brettspiel amüsieren oder sich auf einer Brücke
unterhalten. Die feine Malerei, und das gilt für
sämtliche powderblue-Objekte in diesem
Wandbogen, ist in zwei unterschiedlichen
Blautönen ausgeführt, einem hellen und einem
dunkleren Kobaltblau. Zusammen mit dem weißen
Grund wird die gesamte Komposition allein aus
diesen beiden Farbtönen erschaffen, fast wie bei
einem Duplex -bzw. Triplex-Druck. Natürlich gibt
es tonale Abstufungen, welche beispielsweise in
den Dachbalken den Pinselduktus erkennen lassen,
aber im Grunde kommt diese Malerei ohne Verläufe
von dunklen nach hellen Tönen aus. Darüber
hinaus sieht man hier, ebenfalls wie bei den
meisten Objekten in diesem Wandbogen, gewisse
Unregelmäßigkeiten und unsaubere Stellen. Der
Übergang zwischen dem puderblauen Grund und der
weißen Bildreserve ist an vielen Stellen
verschmiert. Die Umrisslinien, welche die
Bildmotive in den Reserven rahmen, halten sich
nicht immer an den Umriss der Reserven. Dies
muss, wie wir oben gesehen haben, nicht zwingend
der Fall sein (vgl. Abb. 9991). In den
Reserven in Form der stilisierten Wolkenkragen
sind wiederum vielfache glückverheißende
Symbole abgebildet (Abb. 99998 und 99999).
Man sieht hier wiederum Symbole der hundert
Altertümer (chin. baigu), es könnte
insbesondere in den kleinen kreisförmigen
Reserven aber auch das Motiv der "acht
Kostbarkeiten" (chin. babao)
angedeutet sein. Zu sehen sind Vasen mit Blumen
oder Federn bestecket, die auch unterschiedliche
Typen von Vasen repräsentieren: craquelierte
Vasen, Blauweiß-Vasen sowie Vasen in Form des
antiken Ritualgefäßes vom Typ gu (siehe Abb.
99999 linke Reserve). Darüber hinaus sind
Weihrauchbrenner, antike Bronzen, etwa ein
bronzenes Opfergefäß sowie Vasenpaare, Schrift
-oder Bildrollen und Kürbisflaschen dargestellt.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es
eine Aufgabe für die weiter Beschäftigung mit
chinesischem Porzellan bleibt, die Fülle der
glückverheißenden Symbole zu entschlüsseln.

2.9. Porzellane mit
eisenroter Glasur der Ära Kangxi (1662-1772)
Bei diesen Porzellanen mit
eisenroter Glasur der Ära Kangxi (1662-1722)
dient korallenrotes Eisenrot aus der Palette der famille-verte
als Fond. Die Farben der famille-verte
werden auf Chinesisch mit yingcai
bezeichnet, was "harte Farben"
bezeichnet. Dazu gehören grün, blau, gelb, rot,
sowie rosa aber auch schwarz - diese Farbtöne
werden in der Regel als emaille-Farben
bzw. Schmelzfarben auf der Glasur gemalt,
anschließend wird das Objekt noch einmal bei
niedrigen Temperaturen gebrannt. Im Falle der
hier vorliegenden Porzellane mit eisenroter
Glasur scheint das Rot jedoch unter der Glasur
aufgetragen zu sein, während die Malerei in den
Farben der famille-verte schließlich auf
der Glasur aufgetragen wurde. Der Teller in Abb.
999991 zeigt einen prunkvollen Dekor, in
dessen zentraler Bildreserve im Spiegel Vögel
auf Blütenzweigen hinter einem taihu-Stein
und mit einem Gartenzaun dargestellt sind. In den
acht umlaufenden Bildkartuschen werden
Schmetterlinge mit Blumen, Vögeln mit Blumen und
taihu-Stein, Seenlandschaften und das
Motiv der hundert Altertümer (chin. baigu)
dargestellt. Diese Motive sind jeweils sich
selbst gegenüberliegend angeordnet. D.h.
gegenüber der Wasserlandschaft befindet sich
wieder eine Wasserlandschaft. Im äußeren
Dekorband sind zwischen floralen Arrangements
Fische, Rehe, Pferde und Hasen in kleinen
Reserven dargestellt, wobei die Tiere wiederum
sich selbst gegenüberliegend angeordnet wurden.
Ein Teller mit identischem Dekormotiv wird weiter
unten unter 2.11. nochmals beschrieben.
Die zwei Stangenvasen und
die Deckelvase in Abb. 999992 zeigen einen
Dekor in Eisenrot mit weißen Reserven. Wie in
der Detailaufnahme Abb. 999993 zu erkennen
ist, wurde hier wiederum das Motiv des
Wolkenkragens (chin. yunling) um die
Schulter der Deckelvase verwendet, wobei die
Ränder dieses Kragens in hellem Grün gefasst
sind. Die Blätter und Blüten, vermutlich
Päonienblüten in Aufsicht, wurden durch weiße
Auslassungen konturiert und mit feinen Linien in
Eisenrot ausgestaltet, ganz so, wie wir es bei
den Blauweiß-Porzellanen unter 2.6. gesehen
haben.
Bei der großen Vase in
Abb. 999994 wurde der Dekor nach demselben
Grundmuster aufgebaut. Hier jedoch wurde die
Schulter oberhalb des Kragens in Grün gefasst,
die Kragenränder in Blau und Blüten und
Blätter wurden in zartem Rosa bzw. Grün gemalt.
Einige Blüten sind in Blau oder in einem
gräulichen Lila gefasst und darüber hinaus mit
dichten Innenlinien versehen.

2.10. emaille-sur-biscuit-Porzellan
der Ära Kangxi (1662-1722)
Bei der so genannten emaille-sur-biscuit-Technik
wird der rohe, unglasierte Scherben zunächst
gebrannt und anschließend werden emaille-Farben
und -Glasur aufgetragen. Dann muss die Ware ein
zweites Mal gebrannt werden, bei einer
niedrigeren Temperatur als beim ersten Brand. Die
Schwierigkeit, die es für die Töpfer- und
Brennmeister dabei zu überwinden gilt, liegt
darin, dass sich beim zweiten Brand die Glasur
nur schwer mit dem bereits gebrannten Scherben
verbindet. Diese Waren wurden vornehmlich für
den Export hergestellt. Besonders beliebt waren
in Europa kleine Tierfiguren, wie sie unterhalb
der Schale in Abb. 999995 zu sehen sind.
Die Schale selbst weist einen grünen Fond auf,
wobei der Dekor aus einer Reihe von
Glückssymbolen besteht, die über Wellen
dargestellt sind. Mit der emaille-Farbe
Weiß wurden hier Wasser und Blüten dargestellt.
Die Glückssymbole scheinen eine Kombination aus
den "acht Kostbarkeiten" (chin. babao)
und den acht buddhistischen Symbolen zu sein.
Muschel, Vase und unendlicher Knoten gehören zu
den buddhistischen Symbolen, während andere
dargestellte Symbole bei den "acht
Kostbarkeiten" wieder zu finden sind.
Auf Abb. 999996 ist
ein Deckeltopf mit einem gelben Fond zu sehen
(rechts). In grüner Bemalung mit schwarzen
Konturen wurden darüber Rankenmotive mit
Medaillons aus Blüten und ruyi-Motiven
angeordnet. Besonders hübsch sind ein Kännchen
in Form eines Bambusbündels (links) und ein
Kännchen in Form einer Lotos-Samenkapsel
(rechts) (Abb. 999997). Bei dem Kännchen
links sieht man eine schöne Palette an emaille-Farben
mit grünen, türkisen sowie dunkelblauen und
lila-Farbtönen.

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