Menschen,
die mit antiken Gegenständen handeln, müssen
Glaub- und Vertrauenswürdigkeit ausstrahlen.
Denn ein Kunde, der dem Händler nicht vertraut,
ist letztlich kein guter Kunde. Wenn ein Händler
beispielsweise auf seine Erfahrung verweist und
mit einer gutem Geschichte die Provenienz eines
Objektes erläutert, dann wird er verärgert
sein, wenn man die Authentizität des
betreffenden Stückes dennoch anzweifelt.
Bei einem Kunsthändler muss man auf
subtile Gesten und Verhaltensweisen achten, um zu
verstehen, was es mit einem Kunstobjekt auf sich
hat. Es kommt beispielsweise sehr darauf an, wie
ein Händler mit einem betreffenden Objekt selbst
umgeht. Wie nimmt er es in die Hand? Mit welcher
Aufmerksamkeit holt er es aus der Vitrine und
überreicht es ihnen? Wie nimmt er es wieder an
sich und wo stellt er es dann hin? Diese Punkte
können sehr viel darüber aussagen, was ein
Händler wirklich über das Objekt weiss und
denkt.
Weniger wichtig ist, wo das Objekt
im Laden steht, denn einige Händler (vor allem
in China) versuchen allein schon dadurch ein
wertvolles Objekt vorzutäuschen, indem sie es in
eine besonders schöne Vitrine stellen. Die Art
und Weise, wie ein Händler seine Kunstschätze
präsentiert, ist dennoch entscheidend für den
ersten Eindruck, der dem Besucher vermittelt
wird. Denn jeder Interessent sammelt diese
kleinen Nebensächlichkeiten intuitiv "im
Bauch" und zieht bei der Urteilsfindung wie
von selbst das Bauchgefühl zu Rate. Besonders
hüten sollte man sich vor Läden, die mit einem
kaotischen Erscheinungsbild die
Schatzsucherinstinkte im Kunden wecken wollen.
Manche Läden spielen gezielt mit dem
Entdeckergeist des Kunden: Die Gegenstände sind
angeordnet, als wurden sie geradezu aus einem
Eimer ausgelehrt. Demjenigen Kunden, der Zeit und
Leidenschaft mitbringt, macht es einen riesigen
Spass diese scheinbar achtlos hingeworfenen
Antiquitäten zu durchforsten und ein gutes
Stück darunter "zu entdecken". In
solchen Fällen kommt es dann gar nicht so sehr
darauf an, was der Händler über das Objekt
sagt, denn der Kunstsuchende ist ja von sich aus
auf das Stück aufmerksam geworden. Für den
Händler kann es ein großer Vorteil sein, wenn
der Kunde sich schon selbst überzeugt hat, dass
ein Stück "gut" ist. Doch dann kommt
es auf den Preis zu sprechen, und schnell wird
klar, dass es sich hier nicht um ein Schnäppchen
handelt. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass
manche Leute tatsächlich so dreist sind, und
hunderte bis tausende von Euro für Gegenstände
verlangen, die keine 20 Euro wert sind. Wer nach
Berlin kommt, dem kann ich mal ein paar kuriose
Adressen nennen.
In der Regel ist es so, dass ein
Händler mit schlechter Ware eher aktiv bemüht
ist, zu überzeugen. Wenn einer beispielsweise
von sich aus sagt: "Das ist 19.
Jahrhundert", obwohl man gar nicht nach dem
Alter gefragt hat, ist das ein schlechtes
Zeichen. Genauso, wie ein Antiquitätenhändler,
der auf seinen Bekannten verweist, der sich
angeblich "richtig auskennt". Denn es
gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen
jemandem, der etwas wei?und jemandem, der etwas
weiss weil er es wissen möchte. Ein schlechter
Händler weiss dass ein Objekt authentisch ist,
weil er es gerne so hätte, dass es authentisch
ist.
Wichtig ist, dass man als Käufer
ein Fachwissen mitbringt. Man sollte nie eine
Antiquität nur deshalb kaufen, weil sie einem
gefällt und weil der Händler gesagt hat, dass
sie echt sei. Das gilt besonders im Bereich der
antiken asiatischen, chinesischen Kunst, da hier
sehr viele Plagiate kursieren. Selbst Sätzen wie
"Sie haben lebenslanges Umtauschrecht, ich
garantiere die Echtheit mit meinem Namen
usw." sollte man nicht einfach blind
vertrauen. Renomierte Händler sind oft
bewundernswerte Kenner ihrer Fachgebietes. Doch
manchmal kann die Selbstverständlichkeit, mit
der sie ein Urteil fällen, die Wahrnehmung des
Kunden täuschen (wenn das auch nicht absichtlich
geschieht). Aber ein sehr wichtiger Punkt ist,
dass ein renomierter Händler, der eine gewisse
"Autorität" als Fachkenner
"besitzt" bzw. gebraucht und einsetzt,
um Menschen von etwas zu überzeugen, nicht mehr
in Frage gestellt wird. Gewissen Leuten würde
man alles glauben, weil man ihnen nie im Leben
zutrauen würde, dass sie sich irren könnten
oder dass sie gar bewußt einen Sachverhalt
falsch darstellen würden. Doch wir sind alle nur
Menschen und Menschen können sich irren, auch
wenn sie seit 40 Jahren mit Antiquitäten
handeln.
Es gibt genug Fälle, in denen Käufer sich
hinterher wundern, warum sie für ein Objekt
einen so hohen Preis bezahlt haben, denn bei dem
Kunstexperten, der ihr Stück schätzen soll,
bringt es nichts, wenn sie sagen, das hat Prof.
XY oder der Kunsthändler XY schon auf diesen
oder jenen Preis geschätzt.
Aus Sicht der Käufer gilt: Die
Kraft der Einbildung ist mächtig.
Der Kunstkäufer hat in Regel nur
sehr wenige Informationen, um sich ein Urteil zu
bilden und klammert sich schonmal leichtfertig an
eine Zeile im Auktionskatalog oder eine bestimmte
Aussage. Auch ein Käufer "hätte" es
oftmals gerne, dass er jetzt wirklich ein gutes
Stück gefunden kat - und muss daher doppelt
vorsichtig sein. Es kommt nicht nur darauf an,
sich ein eigenes fachliches Urteil zu bilden,
sondern besonders wichtig ist, genau "auf
sein Herz zu hören". Mit dem
sprichwörtlichen Bauchgefühl filtert man die
oben angesprochenen subtilen Signale, um zu
verstehen, was der Händler über das Objekt weiss
oder was es damit auf sich hat. Soetwas braucht
Zeit, und daher sollte man ein Objekt nicht
gleich kaufen, sondern mindestens einmal darüber
schlafen.
Natürlich gibt es auch den
Ausnahmefall, dass man einen Glücktreffer landet
und sofort zugreifen sollte - aber das ist ein
anderes Thema und wird in einem anderen Beitrag
behandelt.
Für den Kunstkäufer gilt
letztlich: Fachkenntnis mitbringen, genau
beobachten und im Zweifelsfall die Expertise von mehreren
Experten einholen.
Einen guten Händler antiker Kunst
erkennt man letztlich daran, dass er seine
Fachkenntnis zeigen kann (dass er in fachlicher
Hinsicht Wissen hat und dem Interessenten
Hintergrundinformationen mitteilen kann), dass er
sorgfältig mit seinen Objekten umgeht und vor
allem daran, dass er selbst gute Objekte führt.

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