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Nationalmuseum China

Besuch im Sommer 2006

Ausstellung eines archäologischen Fundes aus Qingan, Stadt Dayangzhou
in der Provinz Jiangxi

Doppel-Mundiger Tiger mit Vogel auf dem Rücken, Bronze, Shang Dynastie (16. Jhdt.v.Ch. - 11. Jhdt.v.Ch.), Sammlung Jiangxi Provincial Museum

Grabfund aus der Shang-Dynastie im Bezirk Dayangzhou; Sammlung des Provinzmuseums Jiangxi

Einleitung:

Der sensationelle Fund, der in Teilen in der hier besprochenen Ausstellung gezeigt wird, wurde im September 1989 von Mitarbeitern des archäologischen Instituts der Provinz Jiangxi ausgegraben. Dabei handelte es sich um 475 Bronzeobjekte, 754 Jadeobjekte sowie 139 Ton- und Protoporzellanwaren, die allesamt in einer Kammer von nicht mehr als 40m2 verstaut waren. Neben zahlreichen Bronzegefäßen gehören Pfeilspitzen, Messerklingen, eine Axt, sowie Arbeitsgeräte wie Hacken und Meißelspitzen zu dem Fund. Ob es sich tatsächlich um Grabbeigaben handelte, kann bis heute nicht eindeutig klargestellt werden. Auch über die Frage der Datierung der Objekte herrscht Uneinigkeit. Die mögliche Zeitspanne der Entstehung reicht von der späten Shang (ca. 16.Jhdt.v.Ch. bis 11.Jhdt.v.Ch.), über die frühe Zhou (ca. 1100 - 256 v.Ch.) bis hin zu den Frühlings und Herbst Annalen (770 - 470 v.Ch.) und der Zeit der streitenden Reiche (ca. 470 - 221 v.Ch.). In stilistischer Hinsicht unterscheidet sich dieser Fund von vergleichbarem Material und deutet daher auf einen lokalen Bronzekult hin. Die ausgestellten Bronzeobjekte repräsentieren den Formenreichtum und die Vielfalt des Fundes aus Qingan in Dayangzhou.

Im Folgenden wird zunächst die Ausstellung allgemein beschrieben, bevor auf zwei Objekte beispielhaft eingegangen wird.

Die Ausstellung:

Hinter dem Eingang werden dem Besucher zunächst einige Informationstafeln präsentiert, die über den Fundort und das mögliche Alter der Objekte informieren. Im ersten Ausstellungsraum befindet sich auf der linken Seite ein ca. 8-10m langer, nachgestellter Fundort. Hier sieht man eine erdige Sandfläche, aus der einige Bronzeobjekte herausragen. Dahinter befinden sich Fotos vom Originalfundort in Qingan. An der gegenüberliegenden Wand, also vom Eingang aus gesehen auf der rechten Seite, befinden sich nicht nur einige Bücher auf einer langen Tischplatte mit Bänken davor, in denen man sich über antike Bronzen informieren kann. Es sind auch zwei große Flachbildschirme aufgehängt, auf denen man sich mittels einer Computermaus eine Vielzahl von antiken Bronzen ansehen kann. Im Wesentlichen sind diese Bronzen nach Art, Typ und Herkunft beschriftet. Auf diese Weise kann man sich einen Eindruck der stilistischen Vielfalt antiker chinesischer Bronzen verschaffen. Leider sind die Abbildungen nur gering aufgelöst, so dass man kaum Details erkennen kann. Im Übrigen werden dort auch Objekte aus internationalen Museen, beispielsweise aus dem Museum für Ostasiatische Kunst in Köln abgebildet. Wenn man von dort aus nach rechts in Richtung Eingang zurückblickt, so findet man einen weiteren Bildschirm, auf dem ein Videoband läuft, welches Eindrücke von der Ausgrabung im Jahre 1989 zeigt.

Erst im nächsten Raum werden die eigentlichen Objekte gezeigt. Der gesamte Ausstellungsraum ist stark verdunkelt. Die antiken Bronzen sind in Glasvitrinen aufgestellt, die ausschließlich von oben beleuchtet sind. Einige Einzelobjekte werden zusätzlich von außen angestrahlt. zusätzlich hängen in manchen Vitrinen Fotos an der Wand. Die Beschriftung der Objekte erfolgt auf Chinesisch mit englischer Übersetzung darunter. An den ausgestellten Bronzeobjekten kann man deutlich die oftmals unterschiedliche Patinierung erkennen. Einige Objekte weisen eine blasse, sämig hellgrüne Patina auf, die sehr purös wirkt, während andere eine deutlich dunklere, tief-grüne Patina haben. Einige dieser Objekte wurden wohl poliert bzw. für eine Ausstellung aufbereitet. Auffällig ist, dass bei vielen, wenn nicht gar bei allen Bronzen, eine Nummerierung mit einer Art Filzstift direkt auf dem Objekt vorgenommen wurde.

Fallbeispiele:

1. Yue Axt-Maske, Bronze
Shang Dynastie (16. Jhdt.v.Ch. - 11. Jhdt.v.Ch.)
Sammlung Jiangxi Provincial Museum (Farben in Abb. weichen vom Original ab)

Die Axt ist der Beschriftung zufolge eine von sechs derartigen Äxten des Fundes von Qingang. Die Art ihrer Gestaltung zeige eine der häufigsten Formen, die aus der Shang Dynastie bekannt sind. Die Axt wurde als eine Form von Taotie-Maske gearbeitet, wobei die Schneideflächen weitgehend frei von Dekor geblieben sind. Mittig, aber in der oberen Hälfte befindet sich ein durchbrochen gearbeiteter Mund mit spitzen Zähnen oben und unten. Die Grundform dieses weit geöffneten Mundes ist rechteckig wobei die Lippen als ein schmales Dekorband gearbeitet wurden. Die Mundwinkel sind leicht nach oben gezogen, wodurch der Ausdruck eines Lachens erzeugt wird. Die äußeren Kanten der Axt schließen oben, links und rechts mit Taotie-Dekorbändern ab. Die Bänder auf der linken und rechten Seite verjüngen sich nach unten hin, und geben die Schneidekante frei. Die Schneidekante an der breiteren Unterseite ist leicht nach außen gebogen. Die Grundform der Axt ist zylindrisch, wobei die Seitenkanten nach innen gewölbt sind. Am oberen Ende der Axt befinden sich drei durchbrochene Rechtecke, die zur Befestigung der Axt dienten. Die mittlere Öffnung befindet sich in einem erhöhten Mittelteil an der Oberkante der Axt oberhalb der Öffnungen links und rechts. Das Objekt wurde auf einer durchsichtigen (Plexiglas-)Platte mit Nylonfäden befestigt. Die Fäden wurden durch den durchbrochen gearbeiteten Mund gezogen und sind auf der Vorderseite der Axt sichtbar, während die untere Kante von durchsichtigen Zapfen getragen wird.

Die Bronze weist eine deutlich erkennbare Patina in verschiedenen Grüntönen auf. Besonders an der Zahnspitzen wirkt die Patina sehr purös. Auf den Schneideflächen sind zum einen durch Alterung schon einige kleine Löcher in der Patina zu erkennen. Zum anderen findet sich eine stoff- bzw. gewebeartige Struktur in der Patina, die vermutlich im Laufe der jahrtausendelangen Lagerung entstanden ist.

2. You Wein-Flasche mit drei Beinen, Bronze
Shang Dynastie (16. Jhdt.v.Ch. - 11. Jhdt.v.Ch.)
Sammlung Jiangxi Provincial Museum

Das dreibeinige Bronzegefäß weist einen kugeligen Bauch auf, der im oberen Teil in einen sich nach oben hin verjüngenden, kurzen Hals übergeht. Unter der nach außen gewellten Lippe wurde auf der Halswandung ein schmaler Streifen dekorfrei belassen. Auf Hals und Flaschenbauch befinden sich zwei voneinander getrennte Dekorbereiche. Das obere Dekorband zeigt eine stilisierte Maske, während der untere Bereich mit Taotie-Dekor übersaht ist. In der vertikalen Mitte des Gefäßes befinden sich zwei Knaufe auf dem Flaschenbauch, die frontal der Ansichtsfläche des Betrachters entgegengerichtet sind. Die Flasche wurde im Schaukasten so platziert, dass die beiden Knaufe unmittelbar nach vorne ausgerichtet sind, wohingegen die beiden sich gegenüberliegenden Halterungen des Henkels gegenüber der Frontalansicht um etwa 20 -25 Grad gedreht sind. Der Henkel selbst, in der Form eine ineinander gedrehte Schnur suggerierend, wurde an einem Nylonfade befestigt, so dass er in Trageposition aufgestellt stehen bleibt.

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