Ausstellung eines
archäologischen Fundes aus Qingan, Stadt
Dayangzhou
in der Provinz Jiangxi


Doppel-Mundiger Tiger mit
Vogel auf dem Rücken, Bronze, Shang Dynastie
(16. Jhdt.v.Ch. - 11. Jhdt.v.Ch.), Sammlung
Jiangxi Provincial Museum


Grabfund aus der
Shang-Dynastie im Bezirk Dayangzhou; Sammlung des
Provinzmuseums Jiangxi
Einleitung:
Der sensationelle Fund, der
in Teilen in der hier besprochenen Ausstellung
gezeigt wird, wurde im September 1989 von
Mitarbeitern des archäologischen Instituts der
Provinz Jiangxi ausgegraben. Dabei handelte es
sich um 475 Bronzeobjekte, 754 Jadeobjekte sowie
139 Ton- und Protoporzellanwaren, die allesamt in
einer Kammer von nicht mehr als 40m2
verstaut waren. Neben zahlreichen Bronzegefäßen
gehören Pfeilspitzen, Messerklingen, eine Axt,
sowie Arbeitsgeräte wie Hacken und
Meißelspitzen zu dem Fund. Ob es sich
tatsächlich um Grabbeigaben handelte, kann bis
heute nicht eindeutig klargestellt werden. Auch
über die Frage der Datierung der Objekte
herrscht Uneinigkeit. Die mögliche Zeitspanne
der Entstehung reicht von der späten Shang (ca.
16.Jhdt.v.Ch. bis 11.Jhdt.v.Ch.), über die
frühe Zhou (ca. 1100 - 256 v.Ch.) bis hin zu den
Frühlings und Herbst Annalen (770 - 470 v.Ch.)
und der Zeit der streitenden Reiche (ca. 470 -
221 v.Ch.). In stilistischer Hinsicht
unterscheidet sich dieser Fund von vergleichbarem
Material und deutet daher auf einen lokalen
Bronzekult hin. Die ausgestellten Bronzeobjekte
repräsentieren den Formenreichtum und die
Vielfalt des Fundes aus Qingan in Dayangzhou.
Im Folgenden wird zunächst
die Ausstellung allgemein beschrieben, bevor auf
zwei Objekte beispielhaft eingegangen wird.

Die Ausstellung:
Hinter dem Eingang werden
dem Besucher zunächst einige Informationstafeln
präsentiert, die über den Fundort und das
mögliche Alter der Objekte informieren. Im
ersten Ausstellungsraum befindet sich auf der
linken Seite ein ca. 8-10m langer, nachgestellter
Fundort. Hier sieht man eine erdige Sandfläche,
aus der einige Bronzeobjekte herausragen.
Dahinter befinden sich Fotos vom Originalfundort
in Qingan. An der gegenüberliegenden Wand, also
vom Eingang aus gesehen auf der rechten Seite,
befinden sich nicht nur einige Bücher auf einer
langen Tischplatte mit Bänken davor, in denen
man sich über antike Bronzen informieren kann.
Es sind auch zwei große Flachbildschirme
aufgehängt, auf denen man sich mittels einer
Computermaus eine Vielzahl von antiken Bronzen
ansehen kann. Im Wesentlichen sind diese Bronzen
nach Art, Typ und Herkunft beschriftet. Auf diese
Weise kann man sich einen Eindruck der
stilistischen Vielfalt antiker chinesischer
Bronzen verschaffen. Leider sind die Abbildungen
nur gering aufgelöst, so dass man kaum Details
erkennen kann. Im Übrigen werden dort auch
Objekte aus internationalen Museen,
beispielsweise aus dem Museum für Ostasiatische
Kunst in Köln abgebildet. Wenn man von dort aus
nach rechts in Richtung Eingang zurückblickt, so
findet man einen weiteren Bildschirm, auf dem ein
Videoband läuft, welches Eindrücke von der
Ausgrabung im Jahre 1989 zeigt.
Erst im nächsten Raum
werden die eigentlichen Objekte gezeigt. Der
gesamte Ausstellungsraum ist stark verdunkelt.
Die antiken Bronzen sind in Glasvitrinen
aufgestellt, die ausschließlich von oben
beleuchtet sind. Einige Einzelobjekte werden
zusätzlich von außen angestrahlt. zusätzlich
hängen in manchen Vitrinen Fotos an der Wand.
Die Beschriftung der Objekte erfolgt auf
Chinesisch mit englischer Übersetzung darunter.
An den ausgestellten Bronzeobjekten kann man
deutlich die oftmals unterschiedliche Patinierung
erkennen. Einige Objekte weisen eine blasse,
sämig hellgrüne Patina auf, die sehr purös
wirkt, während andere eine deutlich dunklere,
tief-grüne Patina haben. Einige dieser Objekte
wurden wohl poliert bzw. für eine Ausstellung
aufbereitet. Auffällig ist, dass bei vielen,
wenn nicht gar bei allen Bronzen, eine
Nummerierung mit einer Art Filzstift direkt auf
dem Objekt vorgenommen wurde.

Fallbeispiele:
1. Yue Axt-Maske, Bronze
Shang Dynastie (16. Jhdt.v.Ch. - 11. Jhdt.v.Ch.)
Sammlung Jiangxi Provincial Museum (Farben in
Abb. weichen vom Original ab)

Die Axt ist der
Beschriftung zufolge eine von sechs derartigen
Äxten des Fundes von Qingang. Die Art ihrer
Gestaltung zeige eine der häufigsten Formen, die
aus der Shang Dynastie bekannt sind. Die Axt
wurde als eine Form von Taotie-Maske gearbeitet,
wobei die Schneideflächen weitgehend frei von
Dekor geblieben sind. Mittig, aber in der oberen
Hälfte befindet sich ein durchbrochen
gearbeiteter Mund mit spitzen Zähnen oben und
unten. Die Grundform dieses weit geöffneten
Mundes ist rechteckig wobei die Lippen als ein
schmales Dekorband gearbeitet wurden. Die
Mundwinkel sind leicht nach oben gezogen, wodurch
der Ausdruck eines Lachens erzeugt wird. Die
äußeren Kanten der Axt schließen oben, links
und rechts mit Taotie-Dekorbändern ab. Die
Bänder auf der linken und rechten Seite
verjüngen sich nach unten hin, und geben die
Schneidekante frei. Die Schneidekante an der
breiteren Unterseite ist leicht nach außen
gebogen. Die Grundform der Axt ist zylindrisch,
wobei die Seitenkanten nach innen gewölbt sind.
Am oberen Ende der Axt befinden sich drei
durchbrochene Rechtecke, die zur Befestigung der
Axt dienten. Die mittlere Öffnung befindet sich
in einem erhöhten Mittelteil an der Oberkante
der Axt oberhalb der Öffnungen links und rechts.
Das Objekt wurde auf einer durchsichtigen
(Plexiglas-)Platte mit Nylonfäden befestigt. Die
Fäden wurden durch den durchbrochen gearbeiteten
Mund gezogen und sind auf der Vorderseite der Axt
sichtbar, während die untere Kante von
durchsichtigen Zapfen getragen wird.
Die Bronze weist eine
deutlich erkennbare Patina in verschiedenen
Grüntönen auf. Besonders an der Zahnspitzen
wirkt die Patina sehr purös. Auf den
Schneideflächen sind zum einen durch Alterung
schon einige kleine Löcher in der Patina zu
erkennen. Zum anderen findet sich eine stoff-
bzw. gewebeartige Struktur in der Patina, die
vermutlich im Laufe der jahrtausendelangen
Lagerung entstanden ist.

2. You Wein-Flasche mit
drei Beinen, Bronze
Shang Dynastie (16. Jhdt.v.Ch. - 11. Jhdt.v.Ch.)
Sammlung Jiangxi Provincial Museum

Das dreibeinige
Bronzegefäß weist einen kugeligen Bauch auf,
der im oberen Teil in einen sich nach oben hin
verjüngenden, kurzen Hals übergeht. Unter der
nach außen gewellten Lippe wurde auf der
Halswandung ein schmaler Streifen dekorfrei
belassen. Auf Hals und Flaschenbauch befinden
sich zwei voneinander getrennte Dekorbereiche.
Das obere Dekorband zeigt eine stilisierte Maske,
während der untere Bereich mit Taotie-Dekor
übersaht ist. In der vertikalen Mitte des
Gefäßes befinden sich zwei Knaufe auf dem
Flaschenbauch, die frontal der Ansichtsfläche
des Betrachters entgegengerichtet sind. Die
Flasche wurde im Schaukasten so platziert, dass
die beiden Knaufe unmittelbar nach vorne
ausgerichtet sind, wohingegen die beiden sich
gegenüberliegenden Halterungen des Henkels
gegenüber der Frontalansicht um etwa 20 -25 Grad
gedreht sind. Der Henkel selbst, in der Form eine
ineinander gedrehte Schnur suggerierend, wurde an
einem Nylonfade befestigt, so dass er in
Trageposition aufgestellt stehen bleibt.

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