Die
imposante Statue des Bosatsu, die für einen
großen, bisher unbekannten buddhistischen Tempel
in Japan geschaffen wurde, ist auf Grund der
stilistischen Merkmale ca. 1830 entstanden.
Heinrich
von Siebold (1852-1908), der zweite Sohn des
Japanforschers Philipp Franz von Siebold, brachte
sie um 1880 nach Wien. Er kam 1869 in jungen
Jahren nach Japan, wo er eine Anstellung an der
österreichisch-ungarischen Gesandtschaft in
Tokyo fand. Damals befand sich Japan in jeder
Hinsicht im Umbruch. Viele buddhistische Tempel
wurden geschlossen und verfielen allmählich.
Buddhistische Malereien, Skulpturen, Kultgeräte
u.a. wurden vernichtet oder spottbillig verkauft.
Viele Ausländer nutzten die Gunst der Stunde.
Auch Heinrich von Siebold sammelte mit Umsicht
und Sachverstand, nicht nur im eigenen Interesse,
sondern auch für die im Aufbau begriffenen
Wiener Museen. Seit der Wiener Weltausstellung
von 1873, bei der er als Dolmetscher der
japanischen Delegation tätig war, hatte er
dorthin die besten Kontakte. Da er den Markt in
Japan so gut wie kein anderer kannte, gab es auch
mit anderen großen Museen Absprachen, für sie
ethnographische Sammlungen zu erwerben.
Schon
1883 fand in Wien die erste Ausstellung seiner
Sammlung statt, die er anschließend dem
österreichischen Staat verkaufen wollte. Nachdem
sein Angebot abgelehnt worden war, überließ er
dem Staat einen Teil der Exponate als Geschenk.
Da die Verzeichnisse und Listen aus dieser Zeit
nicht erhalten geblieben sind, kann man nicht
genau sagen, ob sich die Statue des Boddhisattva
darunter befand. Sicher ist, dass sie die heute
noch vorhandene Inventarnummer 3859 des
Orientalischen Museums trägt, das von 1875 bis
1886 bestand und danach in "Österreichisches
Handelsmuseum" umbenannt wurde. Im
Inventarverzeichnis von 1892 werden u.a. "drei
buddhistische Skulpturen" erwähnt, zu denen
der Bosatsu gehören könnte.
1905
fand eine große Ausstellung der Wiener
Sammlungen im Museum für Kunst und Industrie mit
dem Titel "Ausstellung von älteren
japanischen Kunstwerken" statt, bei der die
Statue an zentraler Stelle gezeigt wurde, hier
lediglich als "Figur des Buddha"
bezeichnet.
1943
gelangte die Figur im Tausch gegen zahlreiche
andere Objekte in die Sammlung von Anton Exner,
der in Wien als Kunsthändler und
Ostasien-Experte bekannt war, danach mit dem
Umzug des Sohnes Walter Exner nach Frankenau und
später Bad Wildungen. Einer größeren
Öffentlichkeit wurde sie 1956 anlässlich des
Buddha-Gedenkjahres in der Ausstellung in
Frankenau "2500 Jahre Buddha und Buddhismus"
gezeigt. Von 1964 bis 1977 war sie Teil der
Dauerausstellung im Asien-Museum der Familie
Exner in Bad Wildungen.
Unvergessen
sind die beiden großen Ausstellungen in
Darmstadt 1973 "Ostasiatische Kunst -
Sammlung Exner" - hier zum ersten Mal als
"Monju Bosatsu" bezeichnet und 1978 in
Krems an der Donau "4000 Jahre Ostasiatische
Kunst", wo diese Figur viel Bewunderung
fand.
Schließlich
musste Herr Walter Exner die Ausstellungsräume
in Bad Wildungen schließen und seine Sammlungen
auflösen. 1984 verkaufte er die Monju-Statue an
die Wiener Kunsthandlung Zacke.
Für
die Ausstellung von 1990 Verborgene Impressionen,
Japonismus in Wien 1870-1930 im Museum für
angewandte Kunst (MAK), dem früheren
Handelsmuseum, wurde die Monju-Statue, als
Leihgabe des Kunsthauses Zacke, noch einmal in
ähnlichem Ensemble wie 1905 gezeigt.
Schließlich
finden wir im Okt. 1994 die Statue im Katalog des
Auktionshauses Dorotheum, Wien, zum Verkauf
angeboten. Der Zuschlag brachte 3,2 Mio ÖS
(knapp 460 000 DM), laut Presseberichten der
höchste jemals für eine japanische Buddhastatue
gebotene Preis. Die Figur wurde jedoch nie
abgeholt, Name und Adresse des angeblichen
Käufers waren unbekannt.
Auf
Initiative und durch Vermittlung von Dr. Cornelia
Morper, Sachverständige für Kunst und
Antiquitäten Ostasiens, Würzburg, und nach
langwierigen Verhandlungen konnte Constantin von
Brandenstein-Zeppelin, Präsident der
Siebold-Gesellschaft, die Figur aus dem Wiener
Kunsthandel zurückkaufen und sie so für die
Nachfahren der Familie Siebold, für Würzburg
und die interessierte Öffentlichkeit erhalten.

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